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Karl Tänzer
tieren nach Reifling, von da mit Fuhrwerk in den landesfürstlichen Eisenkasten zu Weyer, um nun auf der Enns nach Steyr geflößt zu werden. In Steyr wurde es ausgeladen und verzollt, dann erst durfte das Eisen entweder über Weyer oder Aschbach nach Waidhofen geführt werden.
Ähnlich erschwert war die Ausfuhr der fertigen Ware. Der nächste, über die Amstettener Heide zur Donau führende Weg war den Waidhofenern verboten.
Die Ware mußte entweder über Enns oder Aschbach zur Donau geführt werden. Die ins Reich bestimmte Ware zollte in Enns, von wo sie am Donauweg weiter befördert wurde, während die nach Böhmen gehende Ware in Ybbs an der Donau oder in Naarn in Oberösterreich verzollt werden mußte, um dann über Freistadt und Budweis weiter verfrachtet zu werden. Für Waren nach Wien und Ungarn war Ybbs oder Stein Mautstation. Besonders erschwert wurde Waidhofen der bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts einsetzende Handel nach Venedig. Steyr bot alles auf, diesen zu unterbinden. Die Waidhofener Schmiedschaft durfte ihre nach Venedig bestimmte Ware weder über den Semmering, noch über den Pyhrn oder über die Radstädter Tauern führen. Der vorgeschriebene Weg ging über die Rottenmanner Tauern nach Zeiring und von da über Judenburg und den Obdächer Sattel nach Venedig.
Warum umgaben fast unüberwindliche Zollschranken und Verkehrshindernisse die Stadt Waidhofen ? Sie unterstand nicht dem Landesfürsten, sondern war den Bischöfen von Freising untertan. Das Hochstift Freising setzte sich für Waidhofen wohl tatkräftig ein, Steyrs Vorherrschaft aber zu brechen, gelang den energisch den Krummstab führenden Freisinger Kirchenfürsten doch nicht. Wohl lockerte Herzog Leopold III. von Österreich die Waidhofen angelegten Fesseln. Er erlaubte der Stadt den Handel mit Steiermark, Kärnten, Krain und den Vorlanden, aber Innerösterreich blieb nach wie vor ausschließlich den Steyrer Kaufleuten Vorbehalten. Kaiser Friedrich III., der zum Hochstift Freising gute Beziehungen unterhielt, hob 1450 den Straßenzwang auf. Den 200jährigen Streit zwischen Waidhofen und Steyr entschied Kaiser Maximilian I. am 20. Februar 1501 in Linz zugunsten Steyrs. Der ausschließliche Vertrieb des Innerberger Eisens blieb ein Monopol der Steyrer Handelsherren, die Stadt wurde als landesfürstlich privilegierte Niederlagsstadt erklärt. Waidhofen dagegen wurde der Handel mit Eisenwaren und den aus Venedig
Abb. 3. Stadttor (Ybbstor) in Waidhofen.