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Karl Tänzer
und 700 Zentner Stahl verarbeiteten und einen Jahresgesamtumsatz von über 100000 Gulden erzielten. Die schwere Konkurrenz seitens des Auslandes und die dadurch anbrechenden harten Zeiten brachten den Verfall der einst blühenden Industrie. Ein Meister nach dem andern mußte seinen Betrieb stillegen und mancher von ihnen beendete sein arbeitsreiches Leben als einfacher Arbeiter. Im Jahre 1908 gab es nur mehr 28 Gewerke mit 96 Gesellen und 40 Lehrjungen.
Der Scheibbser Proviantgau.
Unweit der Gegend, wo die Erlaf ihre tosenden Fluten in wildem Grimme durch die Eelsenenge der Tormäuer peitscht, um den Durchgang zur Donau zu erzwingen, fließt sie, schnell wieder beruhigt, im breiten Behagen dahin und trieb einst einen Wasserhammer nach dem andern zu lustig klingendem Pochen an. In uralter Zeit lag hier die slawische Siedlung Scibes, aus der sich der Name der nachmals gegründeten Ortschaft Scheibbs herleitet. Scheibbs, früher eine Besitzung der einst weit gebietenden Karthause zu Gaming, erhob Herzog Albrecht der Lahme 1332 zum Markt, der schon zwanzig Jahre später Stadt mit weitgehenden Vorrechten ist.
Scheibbs wurde durch die Versorgung der Innerberger Arbeiterschaft mit Lebensmitteln eine der wichtigsten Erzeugungsstätten und ein großer Handelspunkt für Eisenwaren. Die Handelsleute gaben das eingetauschte Eisen den Hammergewerken gegen Lebensmittel ab. Um aber stets mit Lebensmitteln ausreichend versorgt zu sein, vereinigten sie sich mit den Waidhofener Handelsleuten im Jahre 1520 zu einer Gau Verbindung, die schließlich auch die Getreide erzeugenden Bürger und Landwirte von Aschbach, St. Peter, Seitenstetten, Ulmerfeld, Amstetten, Steinakirchen, Wieselburg, Ybbs an der Donau, Ybbsitz, Gresten und Purgstall umfaßte.
Diese Gauverbindung riß allmählich den Alleinhandel mit Getreide, Schmalz, Vieh, Unschlitt (zum Härten der Sensen lange Zeit unentbehrlich) und Leinwand an sich, und erlangte 1448 von Kaiser Friedrich III. die landesfürstliche Anerkennung ihrer Verbindung. Bei strenger Strafe untersagte dieses Privileg jedem Nichtbürger in einem der angeführten Orte Handel mit Bodenprodukten und Eisenwaren zu treiben. Stifte, Gutsbesitzer wie auch ihre Untertanen mußten alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse den Handelsleuten anbieten. Dieses Privileg, das Kaiser Maximilian I., Ferdinand I. und Maximilian II. sanktionierten und mit neuen Vorrechten ausstatteten, machte die Handelsleute des Scheibbser Gaues zu alleinigen Trägern des Eisen- und Lebensmittelhandels.
Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts löste sich dieser Gauverband auf und an seine Stelle trat die kaiserliche „Widmung“. Ihr Zweck war der nämliche wie der des Gauverbandes, die Versorgung der Innerberger Eisenarbeiter mit Lebensmitteln, wofür die Handelsleute Eisen bekamen. Um die Hammerschmiede beim Tauschhandel vor Übervorteilung zu schützen, gab Kaiser Maximilian II. im Jahre 1574 den „Eisensatz“ heraus, demzufolge jede Gattung von Eisen und Stahl nur zu festgesetzten Preisen und in bestimmter Menge an die Gewerke verkauft werden durfte. Um die Belieferung der Meister mit Eisen und Stahl zu erleichtern, errichtete