Sondergewerbe in der Eisenwurzen. 119
der Eisenobmann in Steyr zu dieser Zeit in Scheibbs eine ihm unterstehende Eisenkammer.
Aber nicht bloß den Rohstoff mußte der Schmiedemeister von den Händlern kaufen, er war auch gehalten, da er selbst zum Handel nicht berechtigt war, seine Erzeugnisse diesen abzuliefern. Mit scharfen Augen überwachten die Kaufleute des Scheibbser Gaues die Einhaltung dieser harten Bestimmung, die nicht nur die Schmiede den Händlern auslieferte, sondern auch jeden höheren Aufschwung des Eisenwesens zur Großindustrie hemmte. Dennoch stand im 16. und 17. Jahrhundert das Kleineisengew'erbe des Scheibbser Gaues in hoher Blüte und die meisten seiner Erzeugnisse genossen europäischen Ruf. Die Waren wurden den Niederlagen zu Melk, Krems, St. Pölten und Wien zugeführt und von ihnen nach Böhmen, Ungarn, Polen, nach der Türkei, nach Italien und Deutschland verschickt. In Deutschland gab es drei große Niederlagen der Erzeugnisse aus der Eisenwurzen, und zwar in Regensburg, Nürnberg und Frankfurt am Main. Die Sensen und Sicheln wie auch die Strohmesser von Waidhofen, Opponitz, Gaming, Randegg und Türnitz, die Pfannen von Lunz, Gresten und Purgstall, die Nägel von Scheibbs, Gaming, Waidhofen und die Hacken von Ybbsitz waren selbst in Persien begehrt.
Die Sensenindustrie.
Das Glanzstück des Innerberger Eisenwesens ist die Sensenindustrie. Ihr Zentrum war bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts Waidhofen, und ihr Ursprung liegt weit zurück. Schon im Jahre 1320 sind die Sensen von Waidhofen im Mauttarif der Stadt Enns angeführt. Der Sensenschmied w'ar ein Künstler unter der schwarzen Garde vom Hammer. In Waidhofen war der Herstellungsprozeß in drei Gewerbe zerlegt. Der Knüttelschmied schmiedete mit dem Wasserhammer aus den Kloben die Knüttel, die der Sensenschmied mit dem Fausthammer zu fertigen Sensen ausarbeitete und dem Schleifer übergab, der die letzten Vollendungsarbeiten durchführte. Das Meisterstück in Waidhofen war die Herstellung einer Sense nach Meißener Form, die an die Geschicklichkeit des Schmiedes die höchsten Anforderungen stellte. Die Schmiedeordnung der Waidhofener Sensenschmiede vom Jahre 1504 bestimmte, daß ein Sensenschmiedemeister jährlich nicht mehr als 13000 Sensen herstellen durfte. Ein Gewerbebund vereinigte schon im Jahre 1524 die Sensenwerkstätten von Waidhofen, Steyr, Amstetten, Grammatstetten und Kirchdorf.
Zum blühenden Geschäft wurde der Export der Waidhofener Sensenknüttel, der allererst lange Zeit verboten w r ar. Besonders aus Freiberg in Sachsen kamen die Kaufleute als Großabnehmer der Sensenknüttel, die sie gegen mitgebrachtes Blei, Zinn und Kupfer aus den Bergwerken um Freiberg eintauschten.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts übernahmen die Sensenschmiede von Kirchdorf- Micheldorf im oberösterreichischen Kremstal die Führung in der Sensenerzeugung. Ihre Zunft zählte bald zu den hervorragendsten in Österreich. Von ihr w’ar auch eine denkwürdige Neuerung ausgegangen, die Verwendung des Wasserhammers. Der Sensenschmied Konrad Eisvogel in Kirchdorf w r ar es, der 1585 den mit Wasserkraft betriebenen Breithammer erfunden hatte. Mit diesem konnte das Breiten