Aufsatz 
Sondergewerbe in der Eisenwurzen / von Karl Tanzer
Entstehung
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Karl Tänzer

zember 1781 die Widmung des Scheibbser Proviantbezirkes auf, nachdem schon kurz vorher die bisherigen Verkaufsordnungen und Preisfestsetzungen beseitigt waren. Der erste Schritt zur Handels- und Gewerbefreiheit war getan.

Englands Wettbewerb im Eisenwesen machte sich infolge Verwendung der Steinkohle und des Dampfes fühlbar. Die Massenerzeugung an Eisen begann ihren Einzug zu halten. Napoleon überzog Europa mit Krieg, üble Jahre der Mißernten folgten. Den Sensengewerken zeigte diese harte Zeit, auf wie schwankendem Grund ihr Reichtum ruhte, den nicht nur Kriege und Staatsumwälzungen, sondern auch Mißernten unterbinden konnten. Mehr als andere Leute vom Eisenfach ist der Sensengewerke nicht der Schmied, sondern der Spielball seines Glückes. Die vielen kleinen Eisenwerke rangen ganz verzweifelt gegen die siegreich fortschreitende Massenerzeugung des Eisens. Unheilvoll offenbarten sich nun zünftierischer Eigen­sinn und Schwerfälligkeit.

Die Glanzzeit der Hammerwerke um den Erzberg war der Zeitabschnitt von der allgemeinen Einführung des Roheisens im Jahre 1762 bis zu jenem Frisch­prozeß, der als Puddelprozeß außerhalb Österreichs sich überraschend schnell Eingang verschaffte. Bis dahin war die Erzeugung von Schmiedeeisen und Stahl nur mittelst des Herdfrischens möglich, weshalb die Hammerwerke diese Erzeugung beherrschten. Da die Erwerbung einer Konzession zum Betriebe eines Frischfeuers an den Nachweis gebunden war, daß der Bezug von 2500 Kubikmeter Holzkohle aus eigenen Waldungen gedeckt sein mußte, war die Zahl der Feuer eine beschränkte. Für ihre Besitzer war damit ein Monopol geschaffen, sie konnten die Preise diktieren, da sie häufig den Anforderungen der verarbeitenden Industrie und des Handels nicht zu entsprechen vermochten.

Die technischen Umwälzungen in der Eisenindustrie.

Franz Mayr-Melnhof führte auf der Franzenshütte in Donawitz 1836 den Puddelprozeß im Gebiete des steirischen Erzberges ein. Dieser Prozeß ermöglichte die Anwendung mineralischer Brennstoffe, so daß durch seine Einführung das Schwergewicht der Frischeisenerzeugung aus dem Bereiche der Holzkohle in den der mineralischen Brennstoffe verlegt wurde. Die Erzeugung des Frischeisens begann dorthin abzuwandern, wo diese Brennstoffe billig zu haben und große Wasserkräfte vorhanden waren. Das bedeutete das Zusammenlegen der vielen kleinen Werke in große Betriebe an wenigen Orten. Dadurch wurde aber auch das Maschinenwesen ausschlaggebend, man verwendete neben der Wasserkraft auch die Dampfkraft zum Betriebe der Hämmer und der Walzwerke, bis schließlich der Riese Dampf Sieger blieb.

Das wirkte tief einschneidend auf das Bestehen der vielen kleinen Frisch­hütten und Hämmer ein. Sie waren dem Wettbewerb mit den Großbetrieben nicht gewachsen, ihr unvermeidlicher Untergang war gekommen. Aber auch für das Kleineisengewerbe war dies ein harter Schlag. Der Ruhm des steirischen Eisens verblaßte mit den Fortschritten im Eisenhüttenwesen. Der aus Herdfrischeisen gefertigteGärbstahl (der Name kommt von dengarbenförmig zusammen­gefaßten Rohstahlschienen, die unter dem Zainhammer geschweißt und zu Stangen