Bedeutende Holzbringungsanlagen des 12. bis 19. Jahrhunderts in Österreich.
Von
o. ö. Professor Ing. Dr. Leo Hauska.
Mit 7 Abbildungen.
Im 18. Jahrhundert und selbst zu Beginn des verflossenen Jahrhunderts gab es in den österreichischen Alpen noch zahlreiche Urwaldgebiete, die noch vollständig ihrem Naturwuchs überlassen w'aren. Um sich nur eine ganz flüchtige Vorstellung über die Bestockung solcher Urwaldgebiete machen zu können, möge erwähnt w'erden, daß die Durchmesser der Baumstämme durchschnittlich die gewaltigen Dimensionen von 2 bis 2,5 m auf wiesen und daher eine Spaltung durch Axt und Keil nicht durchführbar war. Es wurde vielmehr eine größere, in der Längsrichtung des gefällten Stammes verteilte Anzahl 10 bis 15 cm tiefer Bohrlöcher hergestellt, mittels welcher durch Schwarzpulverladung, manchmal auch erst nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen, die Sprengung des Holzriesen glückte. Es ist dies übrigens ein Verfahren, das die Amerikaner zur Aufarbeitung ihrer gewaltigen Urwaldstämme noch heute benützen. Die Bestockungsziffer pro Hektar der Urwälder unserer österreichischen Alpen betrug nach authentischen Berichten 500 bis 600 Festmeter.
Durch die immer mehr zur Entfaltung gelangenden Berg-, Hütten-, Salinen- und Industriewerke, wie überhaupt durch den Aufschwung der Bautätigkeit, konnte der steigende Bedarf an Holz nicht mehr aus den in der nächsten Umgebung und zugleich meist für die Abfuhr bequem gelegenen Waldungen gedeckt werden, sondern es mußten nun auch die tiefer im Gebirge gelegenen Urwaldforste zur Nutzung allmählich herangezogen werden.
Frühzeitig mußten sich daher die Forsttechniker mit den Problemen von rationellen Massentransporten befassen, deren zweckentsprechende Lösung mit Rücksicht auf den damaligen Stand der technischen Kenntnisse und der oft fast unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten des Geländes nur durch schöpferische Kraft und Genialität erzwungen werden konnte.
Durch geschickte Ausnützung der Naturkräfte, in erster Linie der Schwere, kamen daher zwei Arten von Transporten, die wir auch heutigentags, allerdings in mancher Veränderung und Verbesserung, im forstlichen, wie auch im allgemeinen Transportwesen antreffen, zur Ausbildung.
Als erstes und günstigstes Transportmittel boten sich dem Forsttechniker zweifellos die natürlichen Wasserläufe dar. Es war daher naheliegend, daß die ersten und ältesten Transportarten die Schwerkraft in Verbindung mit Wasser als Betriebsfaktor hatten; je nachdem das Holz in losem Zustand oder zu Flößen gebunden befördert wurde, führten diese zur Trift oder zur Flößerei.
Erwies sich die verfügbare Wassermenge für den Holztransport in den breiten, natürlichen Bachgerinnen als unzureichend, so erfolgte die Beförderung des lose schwimmenden Holzes auch in künstlich aus Holz oder Stein hergestellten Gerinnen