Aufsatz 
Bedeutende Holzbringungsanlagen des 12. bis 19. Jahrhunderts in Österreich / von Leo Hauska
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Bedeutende Ilolzbringungsanlagen in Österreich.

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Die größte und überdies heute noch in vollem Betriebe stehende Klause ist die im steiermärkischen Wirtschaftsbezirke Wildalpen und Großreifling der öster­reichischen Bundesforste gelegenePrescenyklause (Abb. 3), die an Stelle einer seit Beginn des 18. Jahrhunderts bestandenen Holzklause in den Jahren 1840 bis 1842 mit einem Kostenaufwand von 40000 Gulden erbaut wurde.

Die Klause weist eine Konstruktionshöhe von 9 m und eine Kronenlänge von 48 m auf, wovon 26,5 m auf den 1,3 m tiefen Hochwasserüberfall entfallen. Das Bauwerk besteht aus wasserseitigen und luftseitigen Mauerwerkskörpern aus Quadern, die durch eine Anzahl von Quermauern miteinander verbunden sind. Die auf diese Art entstandenen Schächte sind mit grobem Material gefüllt. Die Krone des Bauwerkes ist ebenfalls mit Quadern abgedeckt. Das Stauwerk weist drei große Durchflußöffnungen auf, von welchen die beiden seitlichen dem Trift- und Flößereibetriebe dienen, während die mittlere nur bei der Hochwasser­bekämpfung zur Mitwirkung herange­zogen wird. Diese ist nur durch ein Schlagtor abgeschlossen, hingegen be­steht der Verschluß der beiden anderen Öffnungen aus kombinierten Heb- und Schlagtoren.

Für katastrophale Hochwässer reich­ten allerdings sämtliche Vorkehrungen nicht aus, da nach Aussagen der Be­dienungsmannschaft die Klause einmal seit ihrem Bestände vollständig überflutet w r ar, was etwa einer sekundlichen Hoch­wassermenge von 300 m 3 entsprechen würde. Der Fassungsraum beträgt bei voll­ständiger Ausnützung der Stauhöhe 648000 m 3 . Die Füllungszeit des Klaushofes beträgt durchschnittlich zirka 12 bis 14 Stunden. Seine Entleerung erfolgt bei geöffneten Seitentoren innerhalb weniger Stunden.

Die Prescenyklause hat in erster Linie die Aufgabe, während des Flößerei­betriebes, d. i. von Mai bis November, täglich durch einige Stunden die für die Flößerei notwendige Zuschußwassermenge zu liefern. Sie wirkt aber auch als Fanggebäude für das im Oberlauf der Salza getriftete Holz. An das linksseitige Tor schließt sich nämlich ein Holzfluder zum Ausländen des Triftholzes an. Un­mittelbar unterhalb der Klause befindet sich der erste Bindeplatz der Flöße, an welchen sich flußabwärts noch weitere in Gschöder, Wildalpen, Fachwerk und Palfau anschließen. Die Flöße werden bis Steyr geführt. Durch die Betätigung der Klause ist es ermöglicht, jährlich 30000 Festmeter Holz zu flößen. Dieser Um­stand allein beweist die große wirtschaftliche Bedeutung dieser Anlage.

Da sich in letzter Zeit schwere Gebrechen an dem Bauwerke zeigten, entschloß sich die Generaldirektion der österreichischen Bundesforste, eine Sanierung der

Abb. 3. Prescenyklause. Kronenlänge 48 m, größte Sperrenhöhe 9,0 m, größte Stautiefe 7,25 m. Klaushof: 648 000 m 3 , Entlastung: Selbsttätige Drosselklappe 10 m 2 , 2 Schlagtore, Hochwasserüberfall 26,5 m breit, 1,3 m hoch.