Aufsatz 
Bedeutende Holzbringungsanlagen des 12. bis 19. Jahrhunderts in Österreich / von Leo Hauska
Entstehung
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Leo Hauska

Anlage vornehmen zu lassen. Die Wiederinstandsetzung dieses bedeutenden Bau­werkes ist vollständig geglückt.

Zwecks Herabsetzung der dynamischen Inanspruchnahme des Bauwerkes beim Öffnen des Torverschlusses und zur rationellen Ausnützung des Triftwassers wurde die Schlagtorkonstruktion bei einer Toröffnung durch eine drehbare Klappe aus Eisen­beton ersetzt, die einen annähernd konstanten Abfluß ermöglicht. Bei der Instand­setzung der Klause wurden Elächendichtung und Grundbruchfilter nach Patent Terzaghi verwendet. Um die Kolkwirkung des Überfallstrahles zu mildern, wurde ein Hochwasserverteiler, eine Art Holzrechen, an der Krone der Klause angebracht.

^ Eines der bedeutendsten Werke des

forstlichen Bringungswesens, welches auch vom rein bautechnischen Standpunkt für die Zeit seiner Schaffung als geniale Leistung bezeichnet werden muß, ist die von Georg Huebmer in den Jahren 1805 bis 1827 durchgeführte Aufschließung des zum Graf Hovosschen Besitz gehörigen UrwaldkomplexesNeuwahl, N.-Ö., von nahezu 3000 ha, mit einem Holzreichtum von 1700000 Festmetern.

Dieser aufzuschließende Urwald­komplex lag am Ursprung der stillen Mürz westlich der durch den Gebirgskamm zwischen dem Lahnberg (1593 m) und dem Gippel (1667 m) gebildeten Wasserscheide; somit war die Bringung seines Holzes am Wasserwege nach Wien ausgeschlossen. H uebmers Leistung bestand darin, daß er in einer Höhe von ungefähr 600 m unter der Kammhöhe, bzw. 80 m unter dem Gscheidsattel (1134 m), den Gebirgszug durch einen 450 m langen Stollen durchbrach und die Gewässer der südlich gelegenen Mürz mittels einer Wasserriese durch den Stollen, in den bereits zur Flößerei benützten nördlich gelegenen Prein- bach leitete. Das im Urwald geschlagene Holz gelangte nun durch die Wasserriese, in welche die Wässer der Mürz durch eine von einem Mühlrad betriebene Eimerkette geschöpft wurden, in den Preinbach und erreichte nach 20 Stunden das um fast 800 m tiefer gelegene Wiener Neustadt. Hier wurde das Holz in Schiffe geladen und auf dem Neustädter Kanal nach Wien befördert. Schon im ersten Jahre nach der Herstellung dieser Anlage konnten 25000 Festmeter Brennholz nach Wien gebracht werden.

Die Herstellung des 450 m langen Stollens (Abb. 4), der im Fels verläuft und eine lichte Weite und Höhe von 3,8 m aufweist, wurde 1811 in Angriff genommen und erforderte einen Zeitraum von 16 Jahren. Es wurde von beiden Seiten gearbeitet und es standen ständig sechs Knappen und sechs Taglöhner in Arbeit. Zu den Sprengungen wurden 400 Zentner Pulver verbraucht. Als die Knappen 1822 bereits 160 m vorgedrungen wuren, brach plötzlich Stickluft ein, so daß an eine Fortsetzung

Abb. 4. Huebmerscher Durchschlag mit durchgeführter Wasserriese.