Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der österreichischen Wasserwirtschaft / von Eduard Merlicek
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Eduard Merlicek

dahin nahezu gänzlich unterbliebenen Förderung dieses anerkanntermaßen außer­ordentlich wichtigen Zweiges der in ihren Wirkungskreis fallenden Landeskultur zu veranlassen. Die einzelnen Kronländer kamen dieser ihnen zugedachten Aufgabe früher oder später in einer den Landesverhältnissen angepaßten Weise nach und bewirkten dadurch vielfach einen früher kaum geahnten Aufschwung der technischen Bodenmeliorationen. Auch die Wildbachverbauungen, Flußregulierungen und Bachkorrektionen erfuhren durch die angeführte Gesetzgebung sowie durch die im Zuge dieser Bestimmungen eingetretenen Reformen eine großzügige Förderung.

Von der großen Reihe der Ausführungen, die aus dieser Förderung des Wasser­baudienstes hervorgegangen sind, seien hier nur einige Beispiele herausgegriffen; es ist dies eine kleine Gruppe von Regulierungsbauten, die ein besonderes Interesse verdienen, weil sie sich durch ihren eigenartigen Entwurf von der Allgemeinheit sehr wesentlich und vorteilhaft abheben. Die allgemein übliche Lösung der Fluß­regulierung bestand in Durchstichen besonders krummer Flußstrecken, also Ver­kürzung des Flußlaufes, und in der Eindeichung. Dadurch wird ein rascher Abfluß der Hochwässer und der Schutz der Ufergelände gegen Überflutungen erreicht; zugleich wird aber der Nachteil hervorgerufen, daß auch die Niederwässer allzu rasch abgezogen werden, wodurch die Außengelände der Vertrocknung ausgesetzt sind, während zur wasserreichen Zeit wieder zu viel Wasser auf diesen Geländen verbleibt. Ein Ausgleich kann am besten durch die Anlage von Hochwasser­speichern erzielt werden.

Als erster in Österreich hat Ing. Adolf Friedrich, damals Vorstand des mähri­schen Landes-Meliorationsamtes, später Professor an der Hochschule für Boden­kultur, diesen Gedanken vertreten und auch in die Tat umgesetzt. Als im Jahre 1887 die Frage der Jaispitzbachregulierung durch zahlreiche, oft wiederkehrende Hochwasserverheerungen und nach einer ungemessenen Reihe örtlicher Schutz­bauten zu einer wirksamen Lösung drängte, wurde Ing. Friedrich mit der Ver­fassung des Entwurfes betraut. Die Geschichte dieses Gewässers kam ihm als Wegweiser entgegen. Aus einer sehr alten Karte konnte er feststellen, daß in dem 770 km 2 messenden Niederschlagsgebiete des Jaispitzbaches einstmals 86 Teiche vorhanden waren. Im 18. Jahrhundert gab es noch 16 große Teiche, die den Abfluß der bedeutenden Wassermassen regelten. Diese als Entlastung des Hauptgerinnes dienenden Teiche wurden jedoch im Laufe der Jahre 1784 bis 1823 durch die be­treffenden Grundbesitzer allmählich trockengelegt. Nun genügte das Bachbett zur Abfuhr der ungehindert abfließenden großen Wassermassen nicht mehr. Gegen die häufig wiederkehrenden Überschwemmungen suchte man sich durch die Errich­tung von Schutzdämmen zu sichern, sowie man anderseits im Unterlaufe auch einige Strecken bereits insoweit regulierte, als dem Bache ein mehr gerader Lauf gegeben und ein größeres, regelmäßiges Bett geschaffen wurde. Doch auch diese Arbeiten erwiesen sich als unzureichend und es waren alljährlich bis 2800 ha der besten Grund­stücke den Überschwemmungen, oft die ganze Ernte der Vernichtung preisgegeben.

Ing. Friedrich trachtete, den verlorenen Hochwasserschutz wieder zu er­langen, indem er in seinem Entwürfe den Bau dreier Stauweiher mit einem Gesamt­fassungsraum von 2,5 Millionen Kubikmeter vorsah. Dieser Wasservorrat genügte zur Versorgung des Jaispitztales für die Bewässerung der Wiesen zur Sommer-