Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der österreichischen Wasserwirtschaft / von Eduard Merlicek
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Eduard Merlicek

falls der Versorgung mit Quellwasser zu, und in einzelnen Fällen, wo diese Mög­lichkeit nicht bestand, wurden in hochgelegenen Flußgebieten Stauweiher zur Speicherung des Trinkwassers angelegt; denn die Wissenschaft ist indessen zu der Erkenntnis gelangt, daß sich das Wasser durch die Speicherung in Talsperren von seinen Keimen reinigt und daß diese Reinigung um so vollständiger wird, je größer die Wassertiefe ist. Die deutschen Städte in Böhmen Komotau und Brüx legten ihre Wasserversorgung mit großen Opfern nach diesem Grundsätze an.

Schließlich wendete sich die Aufmerksamkeit der Behörden den Landgemeinden zu, die mangels zentraler Wasserversorgung durch Brände häufig notleidend wurden,

wie früher auch die Städte, und anderseits im Zusammen­hänge mit der Milchlieferung für manche Städte trotz deren mustergültigen sanitären An­lagen eine ständige Typhus­gefahr bedeuteten. Es setzte daher eine weitgehende För­derung der ländlichen Wasserversorgung ein; ärmere Landgemeinden, die einer Wasserversorgungsan­lage dringend bedurften, wurden mit Beihilfen bis zu 40% der Baukosten aus Staats- und Landesmitteln sowie durch Beratung der Landesbau ämter unterstützt. Die derart geförderten An­lagen ländlicher Wasserversorgung wurden häufig in wirtschaftlicher Art zu Gruppen vereinigt und haben in den letzten Jahren bis zum Ausbruch des Krieges eine bedeutende Zahl erreicht.

Die vorstehende Übersicht zeigt uns in gedrängter Darstellung den langen, schweren Weg, den Österreichs Wasserwirtschaft nehmen mußte, um auf jene Höhe aufzusteigen, die, durch die wissenschaftliche Forschung vorbereitet, das Wohl und den Wohlstand der Bevölkerung begründen konnte. In der unmittelbaren Vorkriegszeit sehen wir einen ganz bedeutenden Aufschwung. Die größten Schwierig­keiten, die bis dahin zu überwinden waren, lagen zum Teil in der Bevölkerung selbst, in einer allgemeinen Gleichgültigkeit, zum Teil sind sie in dem Wesen dieses besonderen Wirtschaftszweiges begründet, der seine Ertragsfähigkeit nicht für die Allgemeinheit leicht zur Schau bringt, wie manches andere Schaffensgebiet, und daher vieljährige Volksbelehrung notwendig hat. Aus dem gleichen Grunde bietet das Schaffensgebiet der Wasserwirtschaft auch wenig Anreiz für den privaten Geldgeber. Daher sehen wir den Aufschwung erst eintreten, als die öffentliche Verwaltung zu einer allgemeinen Förderung und weitgehenden Unterstützung des Wasserbauwesens vorgeschritten war.

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Abb. 4. Hochbehälter Hackenberg (Sievering)

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