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Josef Sames: Der Weg des Salzes von Linz bis Budweis.
daß die ursprünglich angewendete GerstnerscIic Bauweise wegen Geldmangel nicht beibehalten werden konnte, so daß dann auf dieser Bahn kein Lokomotiv- betrieb möglich war. Durch einen vollkommenen Umbau mit teilweiser Abänderung der bestandenen Linienführung wurde eine neue Lokomotivbahn geschaffen und 1873 eröffnet, die aber so wie die alte Bahn auch weiterhin das aus dem Salzkammergute kommende Salz nach Böhmen weiter beförderte.
Die alte Bahn wurde aufgelassen und „demoliert“, wie es in den bezüglichen Verlautbarungen hieß. Mittelst Rundschreiben an die Gemeinden wurden die Hochbauten und der restliche Bahnbestand zum Verkaufe ausgeboten. Seither gehört also dieses erste Werk österreichischer Eisenbahnbaukunst der Geschichte an, nur Reste von Steinbrücken, Dämmen und anderen Kunstbauten erinnern noch daran, daß diese Erstlingsbahn das Zeitalter der Eisenbahnen in Österreich eingeleitet hat. Die österreichischen Techniker aber sind von diesem Zeitpunkte an unablässig vorwärts geschritten, sie haben dann später durch die Schöpfung der großen Alpenbahnen über die Grenzen Österreichs hinaus ^weiter vorbildlich gewirkt.
In St. Magdalena bei Linz, an einem der landschaftlich schönsten Punkte der alten „Holz- und Eisenbahn“ hat nun kürzlich der Verein der Ingenieure in Oberösterreich eine Gedenktafel errichtet, die dem Andenken an die Schöpfung dieser ersten Bahn und ihrem Anreger und Erbauer Ingenieur Franz Anton v. Gerstner gewidmet ist.
Von dem Standpunkte dieses Denkmales schweift der Blick hinüber zu den Alpenbergen, in denen das Salz gewonnen wurde, das von dort mit Hilfe einer Reihe wohldurchdachter technischen Einrichtungen vorerst in Solenleitungen mit Talübergängen zu den Salinen gebracht wurde und von da weiter zu Wasser liber Seen und Schiffahrtshindernisse, darunter auch den Traunfall bis zu der an der Donau beginnenden Schienenbahn, die weiterhin dann die Verbindung bis zur Moldau herstellte.
Und so wurde denn das Salz, dieser älteste und stetigste Handelsartikel, hier auf österreichischem Boden Veranlassung zur Schöpfung einer Reihe hervorragender und bedeutungsvoller technischen Verkehrseinrichtungen.
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Abb. 8. Gerstner-Gedenktafel in St. Magdalena bei Linz.