Aufsatz 
Die Anfänge der Elektrotechnik in Österreich : persönliche Erinnerungen / von Friedrich Drexler
Entstehung
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Friedrich Drexler

in der Maschinenhalle. Die ersteren waren für die damalige Zeit schon ganz mächtige Dynamos, die besonders für galvanotechnische Zwecke gebaut waren und Ring­anker besaßen. Gramme hatte damals schon zylindrische Kollektoren aus gegen­einander isolierten Kupferlamellen bei seinen Maschinen angewandt, deren konstruk­tiver Aufbau für alle späteren bis auf den heutigen Tag gebauten Kollektoren von Dynamos und Motoren vorbildlich war und beibehalten wurde. Eine solche Maschine wurde von Krupp in Berndorf angekauft und arbeitete dort vom Jahre 1873 bis 1895; sie war für 25 Volt und 400 Amp. gebaut und steht jetzt im Wiener Techni­schen Museum. Damals wurde auch der Versuch einer elektrischen Kraftübertragung mittelst zweier GRAMME-Maschinen gezeigt, wobei die eine in der Maschinenhalle

stehende Maschine eine andere Maschine in der Rotunde mittelst eines Kabels von 2 km Länge in Tätigkeit setzte und eine Pumpe elektrisch betrieb.

Die GRAMME-Maschinen waren schon damals 1873 baulich ausgezeichnet durchgebildet, was man von manchen späteren und durch lange Jahre erzeugten Maschinen nicht behaupten konnte. Die zweite, eine H EFNER-ALTENECK-Dynamo mit Trommelanker speiste einen Bogenlichtregulator, der auf einem Holzbocke über der Maschine stand und durch sein blendendes Licht stets eine Menge von Beschauern anzog.

Die ersten Anwendungen des Starkstromes

waren wenigstens in Österreich und Wien noch sehr J bescheiden. In der Hofoper behalf man sich mit großen Abb. 1. Johann Kravogls elek-^ BuNSEN-Batterien zur Darstellung des Sonnenauf- trisches Kraftrad, 1867. Tech- ganges imPropheten und zu anderen großen Bühnen- nisches Museum Wien. beleuchtungseffekten. Dieselben Batterien fanden an­läßlich der in jedem Winter abgehaltenen Kostümfeste auf dem alten Eislaufvereinsplatze Verwendung. Sie wurden in zwei großen am Rande des Platzes stehenden Holztürmen untergebracht; das Auf stellen der großen Elemente, das Amalgamieren der Zinkzylinder, das Füllen mit Salpeter- und Schwefelsäure war jedesmal eine mühsame zeitraubende Arbeit. Auf jedem Turme stand ein mit einem Parabolspiegel versehener Handregulator, der seinen Schein auf die Eisfläche warf.

Später ging der Eislaufverein zu besseren Beleuchtungseinrichtungen über. In den beiden Brennpunkten des damaligen elliptischen Platzes von 5700 m 2 er­hoben sich zwei schlanke Holztürme von 7,5 m Höhe zur Aufnahme der beiden Lichtregulatoren. In dem benachbarten Wientale wurde eine Holzhütte errichtet, welche eine 6 PS Lokomobile und zwei GRAMMEsche Einzellichtmaschinen enthielt. Jede speiste einen automatischen Lichtregulator von Serrin. Die Umdrehungs­zahl dieser Lokomobile war natürlich etwas schwankend, weshalb der Auto­matik der Lichtregulatoren von Hand aus nachgeholfen werden mußte. Damals verwendete man noch als Lichtkohlen aus Gasretortenkohle geschnittene Stäbe von quadratischem Querschnitte, während die Isolierstücke in der Lampe aus Elfenbein hergestellt waren. Die ersten künstlichen Kohlen für Bogen-