Die Anfänge der Elektrotechnik in Österreich. 177
licht und Elemente erzeugte in Österreich der Chemiker J. J. Hesz in Wien- Fünfhaus.
Einige Jahre später, als die Teilung des elektrischen Bogenlichtes schon möglich war, wurde die Beleuchtung des Eisplatzes durch zwei Serien von je 5 Gramme- Nebenschlußlampen besorgt. Bei physikalischen Vorträgen benützte man zu dieser Zeit zur Speisung von Projektionsbogenlampen (Foucault-Dubosa) immer noch Batterien nach Bunsen oder Grove.
Das waren die kleinen Anfänge der im Laufe von fünf Jahrzehnten zur heutigen Riesengröße entwickelten Elektrotechnik.
Eine der ersten elektrischen Lichtinstallationen in Wien erhielt zu dieser Zeit (1879) die Simmeringer Jutespinnerei. Sie wurde von dem Wiener Mechaniker Siegfried Marcus mittels einer Anzahl von ihm erfundener Halbinkandeszenz- lampen hergestellt, die von zwei kleinen SiEMENS-Maschinen gespeist wurden. Diese Lampen hatten die geistreiche Einrichtung, daß ein dünner durch seinen Abbrand niedersinkender Kohlenstift auf einer Kohlenrolle aufsaß, die sich auf einem Schraubengewinde drehte, wodurch der Berührungspunkt nach einer Schraubenlinie auf der Kohlenrolle fortwanderte. Die Lampen brannten in Parallelschaltung; dies war einer der ersten Versuche zur Teilung des elektrischen Lichtes. Von Marcus rührten gleichfalls die magnet-elektrischen Minenzündapparate her, die er auch zur Zündung von Explosionsmaschinen seiner Konstruktion verwendete, welche die Vorläufer der jetzt in vielen Tausenden von Automobilen eingebauten Magnetapparate waren.
Ferner beleuchtete Johann Kremenezky im Jahre 1879 den Wiener Volksgarten und den Schillerplatz mit Jablochkoff-Kerzen; zur Speisung dieser Lampen war auf dem Getreidemarkt in einem Laden neben dem Gewerbeverein ein Gasmotor und eine Wechselstrommaschine von Gramme aufgestellt. Die isolierten Leitungsdrähte lagen frei auf dem Gesimse der Häuser unter den Fenstern des ersten Stockes. Das Licht der Jablochkoff-Kerzen war flackernd und in der Farbe stark veränderlich. Auch beim Welser Volksfeste installierte Kremenetzky noch einige Monate vorher eine Bogenlichtanlage mit Jablochkoff-Kerzen.
Die erste Glühlampeninstallation führte in Wien Ing. Ross im Geschäftslokale von M. J. Eisinger auf der Mariahilferstraße an der Ecke der Zollergasse mit Edison- Glühlampen aus. Die Firma Brückner, Ross & Konsorten erzeugte in Wien Gramme- und EDISON-Maschinen. Damals wurde der Antrieb der Dynamos noch mit vereinzelt auf gestellten Gasmotoren bewerkstelligt.
Im Jahre 1880 wurde der Graben, der Stock-im-Eisen-Platz und der Stefansplatz probeweise durch Ing. Nicklas mit 16 in Reihe geschalteten BRUSH-Bogen- lampen beleuchtet. Die BRUSH-Dynamo wurde von einer Lokomobile auf einer leeren Baustelle in der Jasomirgottstraße angetrieben. Eine solche Dynamo für 16 Lampen in Reihenschaltung befindet sich im Wiener Technischen Museum.
Die Anglo-Austrian Brush Co. in Wien war trotz ihres kurzen Bestandes von 1881 bis 1883 die erste große elektrotechnische Fabrik in Wien; sie war in der SKENEschen Fabrik hinter dem Arsenal untergebracht. Dort wurden alle Dynamos, Bogenlampen und Glühlampen (Lane-Fox) erzeugt, die dann auf der Wiener elektrischen Ausstellung 1883 zu sehen waren. Die Glasbläser zur Anfertigung der Glüh-
Geschichte der Technik, H. 1.
12