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Friedrich Drexler
lampen mußten damals aus Thüringen verschrieben und hoch bezahlt werden. Gemessen wurde in jener Zeit noch sehr wenig; außer einer Wheatstone-Brücke und einigen Deprez-Instrumenten gab es noch keine industriellen Meßinstrumente.
Zur selben Zeit fabrizierte Gülcher in Bielitz-Biala auch Gleichstrommaschinen, welche parallel geschaltete Bogenlampen seines Systemes speisten; diese waren schon auf der Pariser elektrischen Ausstellung 1881 zu sehen, fanden jedoch keine große Verbreitung.
Egger-Kremenezky in Wien erzeugten in dieser Zeit Gleichstromdynamos und sehr gute Bogenlampen.
Ganz & Comp, in Budapest brachten schon damals ausgezeichnete Wechselstrommaschinen heraus, welche zum Teil nach Konstruktionen von Zipernoysky mit Selbsterregung der Magnete versehen w r aren. Es war dies die erste und größte Firma des alten Österreich-Ungarn, welche sich im Gegensätze zu den anderen Fabrikationsfirmen besonders auf die Entwicklung des Wechselstrom- systemes verlegte, was auch im Jahre 1885 zu der bahnbrechenden Erfindung der
Abb. 2. Polloser Transformator nach Zipernovsky. pollosen Transformatoren
und deren Parallelschaltung nach den Patenten von Zipernovsky, Deri und Blathy geführt hat.
Von größeren elektrotechnischen Fabrikationswerkstätten dieser Zeit muß auch Franz Krizik in Pilsen genannt werden, welcher sich mit dem Baue von Flachringmaschinen und der von Krizik erfundenen Bogenlampen mit konischem Eisenkern befaßte. Ähnliche Fabrikate wurden auch von der Waffenfabrik Werndl in Steyr erzeugt.
Damals wurde die Installation in der Wiener Hofoper sowie die Straßenbeleuchtung in Temesvar mit Glühlampen hergestellt.
Die Wiener elektrische Ausstellung in der Rotunde 1883 wurde von der Anglo- Austrian Brush Co. mit zwei Brush-Dynamos zu je 40 Bogenlampen in Serie beschickt.
Siemens & Halske begannen im Jahre 1881 ihre Fabrik in Wien, sie befand sich zuerst in der Wienzeile, später in der Apostelgasse im dritten Bezirk.
Nach der Auflösung der vorgenannten Brush- Gesellschaft im Jahre 1883 ging dann das gesamte Material in den Besitz der 1884 gegründeten Firma Kremenezky, Mayer & Co. über, welche ebenfalls den Dynamo- und Apparatebau sowie die Glühlampenerzeugung betrieb, und den Anfang der zu großartiger Entwicklung gelangten Glühlampenfabrik Job. Kremenezky in der Dresdenerstraße bildete, die auf eine tägliche Erzeugung von nahezu 50000 Lampen eingerichtet ist. In dieses Jahr