Aufsatz 
Die Anfänge der Elektrotechnik in Österreich : persönliche Erinnerungen / von Friedrich Drexler
Entstehung
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Die Anfänge der Elektrotechnik in Österreich.

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fällt auch die Gründung des Elektrotechnischen Vereines in Wien, sowie die Er­richtung der elektrotechnischen Lehrkanzel an der Wiener Technischen Hochschule durch Prof, von Waltenhofen.

Im Jahre 1884 veranstaltete die Waffenfabrik Werndl eine elektrische Aus­stellung in Steyr, auf welcher die von ihr erzeugten Flachringmaschinen und Bogen­lampen zur Schau gestellt waren. I)r. Johann Puluj, der durch seine radiometri­schen Apparate bekannte Physiker und nachmalige Professor der Elektrotechnik an der Prager Technischen Hochschule, erzeugte in Steyr Kohlenfadenglühlampen seines eigenen Systems in kleinem Maßstabe; denn Dr. Pull t j, selbst ein sehr geschickter Glasbläser, blies seine Ballons persönlich und schmolz auch selbst die Fäden ein.

B. Egger errichtete 1884 in seiner Telegraphenbau- anstalt in der Kleinen Neu­gasse eine Glühlampenfabrik, in welcher Bernstein lam­pen erzeugt wurden. Es waren dies Lampen mit dicken, aus rohrförmigem verkohltem Seidengewebe hergestellten Glühfäden, die pro Lampe mit einer niederen Spannung und daher in großen Serien in Hinter­einanderschaltung mit hoher Spannung betrieben werden mußten.

Im Jahre 1884 ging die Firma Egger, Kremenezky & Co. nach dem Austritt Kremenezkys in B. Egger & Co. über; die Fabrik befand sich zuerst im neunten Bezirke, Grüne Torgasse, später im fünften Bezirke, Bräuhausgasse. Besonders die Räume der ersteren waren höchst primitiv, aber auch die der zweiten waren für eine elektrotechnische Fabrik wenig geeignet, da im gleichen Hause noch andere Werk­stätten eingemietet waren, und alle ihre Betriebskraft von einer alten schlecht regulierten Dampfmaschine bezogen. Da war es nun eine schwierige Aufgabe, Dynamos auszuprobieren und Meßinstrumente zu eichen. Die Transmissionen wurden von einer Königswelle betrieben, die durch alle Stockwerke ging und deren Kegelräder großen Lärm verursachten.

Ich bin stolz darauf, in meiner Eigenschaft als Ingenieur der Firma B. Egger & Co. im Jahre 1885 der Erste in Österreich gewesen zu sein, der auf Grund der damals erschienenen Theorien von Hopkinson und der klassisch zu nennenden Aufsätze von Gisbert Kapp (eines geborenen Österreichers) Dynamos mit nur einer Draht- läge auf dem Anker, funkenfreiem Lauf und ventilierten Ankern und Magneten gebaut zu haben. Zu jener Zeit erfand ich auch die auf dem Abstoßungsprinzipe beruhenden Meßinstrumente, die bei Egger in einigen hundert Stücken erzeugt

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Abb. 3. Werkstätte B. Egger & Co. Februar 1888.