Aufsatz 
Die Anfänge der Elektrotechnik in Österreich : persönliche Erinnerungen / von Friedrich Drexler
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Friedrich Drexler

wurden. Zwei Weicheisenkerne in einer Spule, der eine festliegend, der andere um eine Achse drehbar, stießen sich ab, die Schwere bildete die Gegenkraft und das Instrument wurde nach einer aufgesetzten Wasserwaage angeschraubt. Leider hat mir damals ein sehr bekannter Fachmann von einer Patentierung abgeraten, und es werden diese Instrumente heute überall als Dreheiseninsti umente zu vielen Tausenden, besonders bei Hartmann & Braun gebaut. Ein solches Instrument aus dem Jahre 1885 ist im Wiener Technischen Museum ausgestellt. 1

Es folgten rasch nacheinander die für die damalige Zeit großen Installationen: Die Gemeinderatssäle im neuen Wiener Rathause, das Lainzer Jagdschloß der weil. Kaiserin Elisabeth, der Kurort Bad-Gastein, die Inter­nationale Kunstausstellung, die Bodenkredit­anstalt, das Ronachervariete, alle in Wien, für welche ich nicht nur die Dynamos, Bogen­lampen und Apparate zu konstruieren und deren Erzeugung zu überwachen, sondern auch die Installationen zu leiten hatte.

Im Jahre 1885 begann ich gemeinsam mit Ing. Wilhelm Winkler ein Regulativ für elek­trische Starkstromanlagen in Österreich aus­zuarbeiten. Dieses bildete den Grundstock zu den gegenwärtigen Sicherheitsvorschriften des Elektrotechnischen Vereines, welche seither in mehreren Umarbeitungen und Neuauflagen erschienen sind und Gesetzeskraft erlangt haben.

Gegen das Ende der achtziger Jahre fing auch Ing. Franz Pichler in Weiz (Steiermark) an, Dynamos zu bauen; die ersten Maschinen stellte er in der Reparaturwerkstätte der Mühle seines Vaters her und er war der Erste, der in Österreich 1891 einen Zweiphasengenerator und dazugehörige Motoren baute, die er zum Betriebe dieser Mühle von einer Wasserkraft aus benützte. Diese Zweiphasenmotoren hatten in der ursprünglichen Ausführung einen gußeisernen Rotor ohne Unterteilung des Eisens. Pichler betrieb später eine größere Fabrik in Weiz, aus welcher die jetzigen großen Werkstätten der Elin-Elektrizitäts- Gesellschaft hervorgingen.

Es sei noch einiges über die Anfänge der Akkumulatorenerzeugung in Österreich- Ungarn gesagt. Die früher erwähnte Anglo-Austrian Brush Co. befaßte sich schon 1882 mit der Herstellung von Sammlerbatterien nach den englischen Patenten Faure-Sellon-Volckmar, von welchen die erste in der Beleuchtungsanlage der Wiener Hofoper Verwendung fand. Die erste größere Akkumulatorenfabrik wurde von Goetz & Odendall in Wien-Baumgarten 1887 gegründet und arbeitete nach

1 Siehe Jahrbuch der Elektrotechnik 1887, S. 76; Lumiere Electrique Bd. XVII, S. 229; Wiener Elektrotechnische Zeitschrift 1886, S. 484.

Abb. 4. Drexlers Meßinsirurr.ent.

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