Hans Pfeuffer: Der Anteil Österreichs an der Kadioteehnik.
183
wirkte an den Universitäten in Wien, Innsbruck, Prag und schließlich wieder in Wien, wo er im Juli 1926 als Hofrat und o. ö. Professor der Wiener Universität starb.
Lecher hatte schon als Student verschiedene Arbeiten experimenteller Natur unternommen und war späterhin insbesondere berühmt und beliebt ob seiner drastischen Art des Experiments, mit der er seinen Schülern in eindrücklicher Art das Verständnis der Natur zu erschließen trachtete.
Seine bahnbrechende Arbeit über die exakte Messung der Länge von elektrischen Wellen, die den Namen des damaligen Assistenten am I. Physikalischen Institut der Wiener Universität unsterblich machen sollte, veröffentlichte er im Jahre 1890 in den Annalen der Physik, Band 41, Seite 850, unter dem Titel: ,,Eine Studie über elektrische Resonanzerscheinungen“. Seine Versuchsanordnung, die sogenannten „Lecherschen Drähte“, hatte er bereits im Jahre vorher auf dem Naturforschertag in Hamburg in Gegenwart von Heinrich Hertz vorgeführt und die von diesem entdeckten Radiowellen das erste Mal sowohl ihrer Frequenz als auch ihrer Länge nach genau gemessen.
Die im Prinzip außerordentlich einfache Anordnung zeigt die der vorerwähnten Studie entnommene Abb. 2. Ein Paar paralleler Drähte von etwa 6 bis 10 m Länge, in etwa 30 cm Abstand, sind über Kondensatoren AB und A’B’ an eine Funkenstrecke F als Schwingungserreger angeschlossen. (Es kann selbstverständlich auch jede andere Erregungsart angewendet werden.) Die in den Drähten hervorgerufenen elektrischen Schwingungen werden durch Reflektion an den Drahtenden zu stehenden Wellen, sobald das durch die Drähte gebildete Schwingungssystem in Resonanz mit dem Schwingungserreger steht. In diesem Falle leuchtet eine Geißler-Röhre gg, die quer über das Ende der Drähte gelegt ist, hell auf. Schließt man die beiden parallelen Drähte durch einen darübergelegten Drahtbügel xx’ kurz, so bemerkt man beim Verschieben dieses Kurzschlußbügels längs der parallelen Drähte, daß nur in einigen ganz bestimmten Stellungen des Bügels die Röhre am Ende der Drähte hell aufleuchtet, während sie in den Zwischenstellungen des Kurzschlußbügels erlischt. Die genannten Punkte sind jene Orte, wo ein Spannungsknoten, bzw. ein Strombauch vorhanden ist. Die Entfernung einer solchen Stelle bis zum Drahtende entspricht x / 4 der Wellenlänge. Zur genauen Messung verwendet man
Abb. 1. Ernst Lecher, 1856—1926, führte 1889/90 mit seiner unter dem Namen „Lechersche Drähte” bekannten Anordnung die erste genaue Messung von Wellenlänge, Frequenz und Fortpflanzungsgeschwindigkeit der von H. Hertz entdeckten Radiowellen durch.