Aufsatz 
Der technisch-wissenschaftliche Anteil Österreichs an der Radiotechnik / von Hans Pfeuffer
Entstehung
Seite
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186 Hans Pfeuffer

Steuerung eines Stromes langsamer Kathodenstrahlen außer­ordentlich klar und erschöpfend zum Ausdrucke gebracht. Hören wir einige der wesentlichsten Stellen aus dieser Patentschrift: ,, ...Um diesen Zweck zu erreichen, werden die von Wehnelt gefundenen Eigenschaften glühender Metall­oxyde benützt, im Vakuum als Kathode bei verhältnismäßig niederen Potentialen

,, . . . Die so erzeugten Kathodenstrahlen und werden daher schon von schwachen magnetischen oder elektrostatischen Feldern stark abgelenkt. . .

Obwohl Lieben in der ersten Zeit ausschließlich mit magnetischer Steuerung experimentierte, hat er doch, wie die zitierte Stelle zeigt, schon zu dem obengenannten Datum die bei den jetzigen Verstärkerröhren allgemein übliche elektrostatische Beein­flussung der Kathodenstrahlen klar ins Auge gefaßt.

Er sagt ferner: ,,Der Vorteil dieses Relais gegenüber den bisher bekannten .... besteht darin, daß die Kathodenstrahlen praktisch genommen Bewegungen ohne Trägheitsmoment besitzen, die selbst bei hoher Frequenz der Stromschwankungen die Empfindlichkeit des Relais nicht be­einträchtigen . .

,,... Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß diese Anordnung die Verwendung weit größerer Energiemengen gestattet als die bisher bekannten Relais . .

Schließlich der einzige Anspruch dieses Patentes: ,,Kathodenstrahlenrelais für Stromwellen bis zu den höchsten Frequenzen, dadurch gekenn­zeichnet, daß langsame Kathodenstrahlen.durch die zu verstärkenden

Strom wellen derart beeinflußt werden, daß sie in ihrem Stromkreise Wellen gleicher Frequenz, aber höherer Amplitude her vor rufen.

Abb. 4 zeigt eine Anordnung der Röhre nach dem Patent D. R. P. 179807, bei welcher die Kathodenstrahlen von den hochspiegelartig ausgebildeten Elektroden ausgehen und vorerst noch eine Blende passieren, ehe sie der Ablenkung ausgesetzt werden.

Die weitere intensive Entwicklungsarbeit an den Röhren fand, zum Teil durch die Kränklichkeit Liebens bedingt, im Vereine mit den Ingenieuren Eugen Reisz und Siegmund Strauss statt. Nach Überwindung mannigfacher Schwierigkeiten hinsichtlich der Herstellung und Aufrechterhaltung des erforderlichen Vakuums in den Röhren, dem Auftreten lichtbogenartiger Erscheinungen und dergleichen ergab sich im Laufe der Versuche, daß die elektrostatische Beeinflussung des Kathoden-

Kathodenstrahlen zu emittieren . . . besitzen eine geringe Geschwindigkeit

Abb. 3. Robert von Lieben, 18781913, Erfinder des Kathodenstrahlenrelais, der Grundlage unserer modernen Verstärker­röhre. (Atelier Kosel, Wien.)