Aufsatz 
Der technisch-wissenschaftliche Anteil Österreichs an der Radiotechnik / von Hans Pfeuffer
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Hans Pfeuffer

den sein Kathodenstrahlenverstärker auf die Entwicklung der Fernsprechtechnik, insbesondere aber der Radiotelegraphie und -telephonie haben sollte, miterleben zu dürfen.

Ingenieur Siegmund Strauss, geboren am 4. Jänner 1875 in Znaim, derzeit in Wien lebend, wirkte, wie schon erwähnt, als Mitarbeiter Liebens an der Vervoll­kommnung der LiEBENschen Röhre mit. Im Zusammenhang damit ging er der heute all­gemein alsRückkopplung bekannten Erscheinung nach. Das auf seinen Namen lautende Ö. P. Nr. 71340 über eineEin­richtung zur Erzeugung elektrischer Schwingungen, das am 11. XII. 1912 angemeldet wurde, zeigt, daß Siegmund Strauss als erster die Ursache der Rück­kopplung richtig erkannt und die Tragweite seiner Erfindung voll erfaßt hatte.

Abb. 7 gibt das grundsätzliche Schalt­bild der Rückkopplungsanordnung mit Hilfe der Kathodenstrahlenverstärkerröhre aus obgenannter Patentschrift wieder.

Strauss hat mit seiner Erfindung dem bisher nur für das Verstärken in Frage kommenden LiEBENschen Kathodenstrahlen­relais ein völlig neues und mindestens ebenso wichtiges Anwendungsgebiet erschlossen. Es ist heute schon müßig darauf hinzuweisen, daß derzeit der weitaus größte Teil aller Radiosender, insbesondere aber die modern­sten Riesensender für Telegraphie, kommer­zielle Telephonie und vor allem die Rund­spruchsender als Quelle der hochfrequenten elektrischen Schwingungen die Verstärker­röhre mit der von Strauss erstmalig an­gegebenen Rückkopplung verwenden. Bei dem KapitelRückkopplung darf jedoch auch eines anderen aus Österreich stammenden hervorragenden Radiotechnikers nicht vergessen werden. Dr. Ing. Alexander Meissner, geboren 1883 in Wien, derzeit in Deutschland naturalisiert, hatte sich als führender Techniker der Telefunken-Gesellschaft ebenfalls frühzeitig dem Problem der Schwingungserzeugung mit Hilfe der rückgekoppelten Kathodenröhre zugewendet (siehe D. R. P. Nr. 291604, von Telefunken angemeldet 10. April 1913). Er hat in der Folge bahnbrechende Arbeit in der Entwicklung des deutschen Röhrensenderbaues geleistet und bis in die jüngste Zeit namentlich auf dem Gebiete der Kurzweilensendetechnik und der Verwertung der piezoelektrischen Eigenschaften des Quarzkristalls zur Konstant- haltung und Kontrolle der Senderfrequenz richtunggebend gewirkt. Jedenfalls

Abb. 6. Original-Liebenröhre mit Gitter­steuerung. Einziges erhaltenes Original­exemplar aus dem Liebenschen Labora­torium, zeigt im Aufbau bereits alle wesentlichen Merkmale unserer heutigen Verstärkerröhre. Abtg. Radiotechnik des Post- und Telegraphenmuseums, Tech­nisches Museum, Wien.