Aufsatz 
Der technisch-wissenschaftliche Anteil Österreichs an der Radiotechnik / von Hans Pfeuffer
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Der technisch-wissenschaftliche Anteil Österreichs an der Radiotechnik.

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ist mit dem Namen des gebürtigen Österreichers Alexander Meissner ein ganz bedeutendes Stück Forschungs- und technische Entwicklungsarbeit auf dem Ge­biete der Radiotechnik verbunden.

Aber auch auf einem anderen Gebiete der Röhrentechnik verdient der im allgemeinen weniger bekannte Einfluß österreichischer Erfindertätigkeit Erwähnung. Es handelt sich um die Röhrenfabrikation, insbesondere um die Aus­führung des in vieler Hinsicht wichtigsten Teiles der Kathodenröhre, der Glühkathode. Die Herstellung der Glühfäden für die Verstärkerröhren hatte sich naturgemäß in der ersten Zeit stark an die Erfah­rungen und Methoden der Glühlampenfabrikation angelehnt. In diesem Zusammenhang gewinnt die von Auer von Welsbach angegebene Herstellung von elektrisch leitenden Osmium-Glühfäden durch Glühen eines aus der sogenanntenOsmiumpaste gepreßten Fadens auch für die Radioröhrenfabrikation Bedeutung (siehe Ö. P. Nr. 9693 und Zusatzpatente).

Dr. Hans Kuzel hat später das AuERsche Kolloid­verfahren auf Wolfram, das jetzige Standardmaterial für die Herstellung der Glühfäden, ausgedehnt (siehe D. R. P. Nr. 194348, angemeldet am 25. Juli 1905, und Zusatzpatente). Allerdings wurde dieses Verfahren in der Röhrenfabrikation später wieder verlassen.

Größere Bedeutung sollte eine Erfindung Dr. Anton Lederers gewännen, der den Weg wies, um dem raschen Altern von gepreßten oder gezogenen reinen Wolframglühfäden, das als Folge der hohen Erhitzung in der Glühlampe auf trat, durch einen geringen Zusatz von Thorium (bzw. Thoriumoxyd) zum Ausgangsmaterial der Drahtfabrikation (Wolfram­säure) abzuhelfen (Ö. P. Nr. 41247 vom 22. Oktober 1906). Diesethorierten Wolframfäden weisen aber eine wesentlich höhere Elektronenemission als die reinen Wolframdrähte auf, weshalb sie späterhin große Bedeutung in der Radioröhrentechnik erlangen sollten.

Neben den Genannten, die durch ihr wissenschaftlich und zum größten Teile auch patentrechtlich scharf umrissenes Werk unmittelbar produktiven Einfluß auf die Entwicklung der Radiotechnik nehmen konnten, muß noch ein genialer österreichischer Techniker erw r ähnt werden, der schon im Jahre 1904, also in den ersten Kinderjahren der Radiotechnik, erstmalig eine drahtlose Musikübertragung experimentell durchführte und damit das Grund­sätzliche des heutigen drahtlosen Rundspruchs vorwegnahm.

Ingenieur Otto Nussbaumer, geboren 1876 in Wilten bei Innsbruck, als Hofrat

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Abb. 7. DieRückkopplungs­schaltung" von Siegm. Strauß. Originalzeichnung aus ö. P. Nr. 71 340.