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Hans Pfeuffer
der salzburgischen Landesregierung im Jahre 1930 in Salzburg gestorben, kam als Assistent der Grazer Universität auf den Gedanken, mit Hilfe des singenden Lichtbogens von Dudell einen BRAUNschen Funkensender zu betreiben. Durch die auf diese Weise erzielte rasche Funkenfolge (etwa 7000/sek) ergab sich eine annähernd kontinuierlich radioelektrische Schwingung, die einen genügend ruhigen Hintergrund für eine Modulation durch Sprache und Musik bot.
Noch bemerkenswerter ist vielleicht die Empfangseinrichtung. Im Jahre 1904 wurde bekanntlich noch ausschließlich mit Hilfe des Fritters empfangen, da der Kontaktdetektor noch nicht bekannt war. Nussbaumer hatte, v r ie es damals üblich war, alles nur erdenkliche Material als Fritterfüllung versucht und unter anderem an der Luft verbrannte Eisenfeilspäne in den Fritter eingefüllt. Hiebei ist unter Mitwirkung des entstandenen Eisenoxyds eine regelrechte Kontaktdetektorwirkung zustande gekommen, die die notwendige Demodulation und sohin den Sprach- und Musikempfang auf drahtlosem Wege ermöglichte. Bei den genannten Versuchen wurden durch mehrere Säle des physikalischen Institutes Graz tatsächlich Rede und Musikstücke deutlich erkennbar übertragen. 1
Leider war es Nussbaumer nicht vergönnt, eine praktische Auswirkung seines wohlgelungenen Experimentes hinsichtlich der Idee des drahtlosen Rundspruches, für den wohl die Zeit überhaupt noch nicht reif gewesen ist, oder auch nur für die Anwendung des von ihm benützten zweifellos ersten Kontaktdetektors zu erzielen. Eine eigenartige Fügung des Schicksals verschaffte dem Erfinder aber doch noch eine besondere Genugtuung. Als im Jahre 1929, anläßlich der 25jährigen Gedenkfeier zur Erinnerung an den denkwürdigen Versuch in Graz, eine erfolgreiche Wiederholung des historischen Experimentes mit den noch erhaltenen Originalgeräten veranstaltet w'urde, konnte 0. Nussbaumer, der, kurz vor seinem Ende, in Salzburg an sein Krankenbett gefesselt w r ar, die in Graz vor sich gehende Wiederholung seines Experimentes im Wege des Rundspruches, der seine Idee in so unerwartetem Ausmaße verwirklicht hatte, mitverfolgen.
Wie der vorstehende kurze Überblick zeigt, kann Österreich, ohne unbescheiden zu sein, wohl mit Genugtuung auf seinen namhaften Anteil an der physikalisch- technischen Entwicklungsarbeit der Radiotechnik hinw'eisen.
Die exakte Wellenmessung, das Wunder der Verstärkerröhre und die Verwendung der Röhre als Sender mit Hilfe der Rückkopplung sind Grundpfeiler der bisherigen Entwicklung der Radiotechnik gewesen und werden vermutlich auch fernerhin für die Weiterentwicklung große Bedeutung beibehalten. Die Namen ihrer Schöpfer w r erden jedenfalls untrennbar mit der Geschichte der Radiotechnik verknüpft bleiben.
Da der Sinn jeder Technik schließlich Auswertung und Betrieb ist, so liegt die Frage nahe, wie es in dieser Hinsicht in Österreich steht.
Das Österreich der Vorkriegszeit hatte, neben der Verwendung des drahtlosen Nachrichtenw r eges in Heer und Kriegsmarine, frühzeitig die Funkentelegraphie mit den Handelsschiffen unter seine staatliche Obsorge genommen und zu diesem Zw'eck ein k. k. Funkentelegrapheninspektorat in Triest errichtet.
1 Die Prinzipsclialtung des denkwürdigen Versuches ist in dein Originalbericht der Physikalischen Zeitschrift vom Jahre 1904, 5. Jahrg., Xr. 24, S. 797, enthalten.