Der technisch-wissenschaftliche Anteil Österreichs an der Radiotechnik.
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Nach dem Weltkrieg war, wie in den meisten europäischen Ländern, auch in Österreich der Radiotelegraph ein willkommenes Mittel, um die alten kontinentalen Verkehrsbeziehungen zunächst notdürftig wiederherzustellen, bzw. die im Kriege durchwegs vernachlässigten internationalen Drahtverbindungen zu ersetzen und weiters möglichst unabhängige Nachrichten'wege nach Übersee zu finden. Schließlich kam noch eine ganz neue drahtlose Betriebsart hinzu, der Rundspruch.
Die stürmische Entwicklung der Radiotechnik erforderte eine ebenso rasche Anpassung der Betriebe, wenn diese auf der Höhe der Zeit bleiben sollten und damit auch die entsprechenden finanziellen Mittel. Um dem österreichischen Radiobetrieb zu diesem Zwecke die notwendige finanzielle Beweglichkeit eines privatwirtschaftlichen Betriebes zu sichern, hatte die österreichische Telegraphenverwaltung die Befugnis zur Durchführung des drahtlosen Telegrammverkehres mit dem Ausland und des Rundspruches je einer privaten Gesellschaft, der Radio-Austria A. G. Wien (Auslandstelegraphie) und Österreichischen Radio-Verkehrs A. G. (Ravag, Rundspruch), konzessionsweise überlassen. Im verständnisvollen Zusammenwirken der staatlichen Telegraphenverwaltung mit den genannten Gesellschaften haben beide Betriebszweige eine außerordentliche befriedigende Entwicklung genommen.
Die Radio-Austria A. G. hat es in einer zum Teil vorbildlichen Weise verstanden, die günstige Verkehrslage Österreichs bzw-, Wiens zur Anknüpfung zahlreicher Verkehrsbeziehungen mit europäischen und außereuropäischen Ländern auszunützen und konnte kürzlich den direkten Verkehr mit Nordamerika aufnehmen.
Die Ravag wiederum, die infolge der für die Rundspruchversorgung ungünstigen Gestaltung Österreichs (gebirgiges, langgestrecktes Land, exzentrisch gelegene Hauptstadt) im Inland besonders schwierigen Problemen gegenübersteht, deren restlose Bewältigung noch seine Zeit erfordern wdrd, hat es nichtsdestoweniger zuwege gebracht, daß die Stimme Österreichs im Konzert des europäischen Rundspruches ganz besonders geachtet und gerne gehört wird, und hat damit einen Weg geschaffen, in Wort und Ton wertvollsten österreichischen Kulturbesitz dem Ausland zu vermitteln und so eine unschätzbare Werbung für Österreich und österreichisches Wesen in der Welt zu betreiben. Es war kein Zufall, daß im vergangenen Jahre die ersten großen internationalen Rundspruchübertragungen, die sich schließlich auf einige hundert europäische und amerikanische Sender erstreckten, gerade von Österreich ausgingen, das sow r ohl hinsichtlich der künstlerischen Darbietungen als auch der technischen Höhe und Bereitschaft seiner Rundspruchanlagen und seines staatlichen Fernkabelnetzes alle erforderlichen Voraussetzungen hiefür bot.
Trotz seiner begrenzten Wirtschaft zeigt sich also das heutige Österreich auch auf dem Gebiete des Radiobetriebes der Bedeutung seiner großen Bahnbrecher im Reiche der Radiotechnik wüirdig.