Fritz Franz Maier und seine Schiffsforin
Von
Regierungsrat Kapitän Emo Descovich. Mit 4 Abbildungen.
In seinem berühmten Werk „Große Männer“ sagt Ostwald, daß grundlegende Ideen von genialen Wegbereitern in Technik und Wissenschaft am Beginn ihrer Manneszeit gefaßt werden, und ihr ganzes weiteres Streben und Wirken eigentlich völlig auf der Grundlage dieser Ideen aufgebaut sei. In hohem Maße trifft dies auch für Fritz Franz Maier und die von ihm erdachte Schiffsform zu, die in den letzten Jahren rasch zunehmende Anwendung findet, nachdem ihr Schöpfer Zeit seines Lebens um ihre Vervollkommnung bemüht war, doch nur wenig Anerkennung gefunden hatte. Seine große Bescheidenheit und eine ganz auf wissenschaftliche Forschung eingestellte Denkweise, die nicht geeignet war, sich Kaufleuten gegenüber zur Geltung zu bringen, mögen die Hauptursachen gewesen sein, weshalb die Morgenröte praktischer Erfolge erst am Ende seines Lebens aufzuleuchten begann.
Umfassendes Wissen auf weit voneinander abliegenden Gebieten, ausgeprägtes Einfühlungsvermögen in mathematische und technische Probleme, peinlicher Ordnungssinn in seltsamer Weise gepaart mit künstlerischer Veranlagung, die besonders im Zeichnen und Aquarellieren ihren Ausdruck fand, scharfe Beobachtungsgabe und unermüdlicher Fleiß waren das Rüstzeug für sein Wirken. Im Gespräch zeigte er sich wortkarg, aber was er sagte, war von Gewicht. In seiner äußeren Erscheinung war er schlank, sehnig, hochgewachsen. Nur ein, gleich dem seinen, durch Sport gestählter Körper vermochte jene Anstrengungen zu ertragen, die er sich bei seiner Arbeit zumutete, die ihn auch im hohen Alter oft bis fünf Uhr morgens an seinen Zeichentisch fesselte. Schwimmen, Rudern, Wandern waren seine Lieblingserholung. Alljährlich pflegte er drei Wochen im Hochgebirge zuzubringen. Noch als Siebziger ging er nicht selten am selben Tag von Wien nach Korneuburg und zurück. Neunundsiebzig Jahre alt durchschwamm er, wie so oft in jüngeren Jahren, ohne Begleitung die große Donau.
Fritz Franz Maiers Eltern, der k. k. Regimentsarzt Dr. Franz Xaver Maier und dessen schöne Gattin Marie, geborene Schweiger, entstammten beide alteingesessenen angesehenen Wiener Bürgergeschlechtern.
Er hat sich auch immer als Wiener gefühlt, obgleich seine Wiege, die er mit einer Zwillingsschwester teilte, in Znaim an der Thaya gestanden hatte. Dort schlägt er zum erstenmal am 19. Juli 1844 die Augen auf, teilt dann das Wanderschicksal so vieler Soldatenkinder. In Pola verlebt er frühe Kindheitstage, kommt nach Mailand, Verona, Mantua, schließlich nach Venedig, wo er das Meer näher kennen und lieben lernt, und wo er auch den Entschluß faßt, Schiffbauingenieur zu werden; entgegen den Absichten des Vaters, dem für seinen Sohn die Soldatenlaufbahn vorgeschwebt hatte, von der dieser aber nichts wissen wollte. Im Schotten- gymnasium zu Wien erwirbt er sich humanistische Bildung. Dann nimmt ihn die Technische Hochschule in Wien auf.