Aufsatz 
Fritz Franz Maier und seine Schiffsform / von Emo Descovich
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Emo Descovich

Im Jahre 1905 ist die neue Schiffsform konstruktiv so ausgereift, daß der von Haus aus wohlhabende Erfinder auf eigene Kosten Modellschleppversuche in der Versuchsstation des Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven vornehmen läßt, in deren Leiter, Ingenieur Bruckhoff, er einen Freund fürs Leben gewinnt. Die MAiER-Modelle zeigen gegenüber den normalen Formen eine Widerstandsverminde­rung von 15 bis 25 v. H. Keine Werft wagt aber die praktischen Schlußfolgerungen daraus zu ziehen, obgleich im selben Jahre dem Erfinder auch das erste Patent auf seine Schiffsform erteilt worden war. Immerhin kann er auf der Werft Decout- Latour für den Großindustriellen Mercedes- Jellinek das RennbootMercedes D. L. bauen lassen. Bei den in völlig ruhiger See zu Monaco abgehaltenen Wett­fahrten des Jahres 1906 muß es sich, zur schweren Enttäuschung Maiers, mit einem bescheidenen Platz begnügen. Im folgenden Jahr aber läßt es im Handicap bei schwerem Wetter alle Mitbewerber weit hinter sich. Auch dieser Beweis für die vorzüglichen See-Eigenschaften und damit verbundenen großen praktischen Vorteile der neuen Schiffsform genügt nicht, um eine Werft zu veranlassen, das Risiko zu übernehmen, sie dem Bau eines größeren Fahrzeugs zugrundezulegen.

Endlich findet sich eine Hamburger Werft dazu bereit. Der Ausbruch des Weltkrieges läßt sie ihre Absicht wieder aufgeben. Nun kommt ein Auswertungs­vertrag mit der Bodenkreditanstalt zustande; im Februar 1917 wird ein neues Patent erteilt. Maier reist nach Pola, wo es ihm gelingt, die Unterstützung des Konteradmirals Holub zu gewinnen. 1918 wird ein Maiertender der k. u. k. Kriegs­marine mit solchem Erfolg erprobt, daß der Bau zweier Torpedoboote nach Maier beschlossen wird. Die Ausführung hat der Zusammenbruch verhindert. Diesen hat der 74jährige Erfinder in Pola miterlebt. Enttäuscht, doch ungebrochen, trifft er nach vielen Schwierigkeiten am 3. November in Wien ein. Hier findet er beim Leiter der Korneuburger Werft der Donaudampf Schiffahrtsgesellschaft, Ingenieur Pammer, Verständnis. In der Wiener schiffbautechnischen Versuchs­anstalt untersuchte Modelle für Donauwarenboote zeigen eine Verminderung des Wuderstandes um 12%. Gebaut wird aber keines.

Maier sucht nun in Hamburg und Bremen neue Verbindungen mit Werften. Ein Brand vernichtet das Ergebnis achtmonatiger angestrengter Konstruktions­arbeit. Sie muß wiederholt werden, bringt technischen Erfolg, doch keine Verwertung. 1921 kehrt der alte Mann wieder nach When zurück. Die Inflation vernichtet sein Vermögen. Glücklicherweise können ihn seine beiden bereits im Erwerbsleben stehenden Söhne Erich und Werner unterstützen. Erich löst auch im Jahre 1924 den Vertrag mit der Bodenkreditanstalt, so daß sein Vater über seine Erfindung wieder frei verfügen kann. Gelegentlich eines Besuches in Triest gelingt es diesem Mitte 1926 mit dem Stabilimento Technico einen Verwertungsvertrag für Italien zu schließen. In der Folge widmet sich F. F. Maier der Konstruktionsarbeit für das kürzlich in Dienst gestellte FahrgastschiffVictoria; mit seinem Modell angestellte Vergleichsversuche zeitigen gute Ergebnisse.

Im März des gleichen Jahres war von der deutschen Regierung ein Wettbewerb für ein Fährschiff der Linie KielKorsör ausgeschrieben worden. Der aus der k. u. k. Marineakademie hervorgegangene Assistent der Hamburger Schiffbau­versuchsanstalt Diplomingenieur H. K. Kloess konstruierte nach den Angaben