Fritz Franz Maier und seine Scliiffsform.
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des Erfinders auch ein Maiermodell. Es erwies sich dem besten der sieben geschleppten Normalmodelle, die von vier der hervorragendsten Werften stammten, um 24% überlegen. Das veranlaßte Blohm & Voss studienhalber zu dem bereits in Bau befindlichen Dampfer „Europa“ auch ein Maiermodell schleppen zu lassen. Die Widerstands Verminderung betrug 11%.
Die Nachricht von diesem großen Erfolg traf mit der Morgenpost des 16. Dezember 1926 in der Wohnung Maiers ein. Zwölf Stunden vorher war er dort, über seine Zeichnungen gebeugt, einem Leuchtgasunfall zum Opfer gefallen. Eine ungeheure Tragik liegt darin, daß der trotz seinem hohen Alter noch immer ungemein rüstige Mann jetzt, da der große Erfolg wirklich in greifbare Nähe gerückt war, von dieser Welt scheiden mußte.
Seinem Versprechen eingedenk, unternahm sein Sohn Erich den Versuch, das Werk des Vaters nun doch in die Wirklichkeit umzusetzen. Vierzehn Tage nach dessen Hinscheiden begab er sich nach Italien. Da die Schiffbautätigkeit dieses Landes damals daniederlag, wandte er sich sofort nach Norddeutschland, wo er im März 1927 einen Vorvertrag mit der Deutschen Schiff- und Maschinenbau A. G.
Bremen abschloß und den bereits genannten Dipl. Ing. H. K. Kloess zum Mitarbeiter gewann, der auch die technische Leitung der später gemeinsam mit der Deschimag gegründeten Maierschiffsformverwertungsgesellschaft m. b. H. übernahm. Die genannte Bremer Werft schritt noch vor endgültigem Vertragsabschluß zu Vergleichsversuchen, auf Grund deren sie zwei Motorboote — im Längenverhältnis 1 : 4 verkleinerte Fischdampfer — baute, von denen eines Maierform erhielt. Mit Ausnahme der Spantform waren sie einander völlig gleich, auch hinsichtlich der Gewichtsverteilung. Durch zahlreiche Vergleichsfahrten in ruhiger und bewegter See konnte die Überlegenheit der Maierform gegenüber der Normalform erhärtet werden.
Das Wesen der Maierform besteht darin, daß die mehr oder weniger geraden, unter einem bestimmten Winkel zur Waagrechten geneigten Spantenteile zueinander parallel sind. Dadurch werden gegenüber der Normalform um rund 6% kürzere Ablaufwege und eine bessere Heranführung des Wassers an den Hauptquerschnitt erzielt. Am weit ausladenden Bug bilden sich an Stelle der viel Energie verbrauchenden kompakten Bugwellen verhältnismäßig niedrige Hohlwellen, sogenannte Schleierwellen, die wenig Energie verbrauchen.
Die glatten Abflußwege bewirken einerseits eine Verringerung, der Reibung, anderseits eine gleichmäßigere Druckverteilung an der Außenhaut, und dadurch
Abb. 1. Ing. Fritz Franz Maier, geb. in Znaim
am 19. Juni 1844, gest. zu Wien am 15. De
zember 1926.
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