202 Sigmund Brosche
Man stand also hinsichtlich der Staatssubvention und der Gemeindesubvention zwei entgegengesetzten Bedingungen gegenüber, konnte aber natürlich weder auf die eine noch auf die andere Subvention verzichten. Nachdem die Vorauslagen der Ausstellung unter allen Umständen gedeckt werden mußten, blieb kein anderer Ausweg übrig, als das Geld dafür anderweitig zu beschaffen. Ohne in die Einzelheiten dieser Aktion einzugehen, kann festgestellt werden, daß der gesamte Schuldenstand der Ausstellung getilgt, kein Heller den Museumsgeldern entnommen und auch die Geldsammlung für das Museum hiedurch nicht beeinträchtigt wurde.
Die Beschaffung der für die Errichtung des Museums erforderlichen bedeutenden Geldmittel wäre aber unmöglich gewesen, wenn ihr nicht der Anlaß des 60 jährigen Kaiserj ubiläums zur Seite gestanden wäre. Der vom Kaiser ausgesprochene Wunsch, das seltene Fest nur durch wohltätige und gemeinnützige Akte zu begehen, war der Ansporn zu den großen Widmungen, die dem Technischen Museum zuteil wurden.
Daß bei einem Unternehmen von dem Umfange und der Neuartigkeit des Technischen Museums große Widerstände zu überwinden waren, daß dabei der Kampf gegen das, was Götter selbst vergebens bekämpfen, gegen Unverständnis, gegen übermäßige Sparsamkeit, der Kampf gegen Eitelkeit, Gleichgültigkeit, Übelwollen, persönliche Gehässigkeit zu bestehen war, ist selbstverständlich.
Die nächste wichtige Aufgabe war die Vergebung des Baues des Technischen Museums. An der Spitze des Baukomitees stand Generaldirektor Dr. Ing. Georg Günther; der Bau selbst wurde von Oberbaurat Hans Schneider ausgeführt. Der Grundstein des Unternehmens wurde im Beisein des Kaisers Franz Josef I. am 20. Juli 1909 gelegt und das Gebäude war im Jahre 1913 fertiggestellt. Die Vollendung des Baues in verhältnismäßig so kurzer Zeit war das Werk des Generaldirektors Günther, der mit kaum glaublicher Zähigkeit und Energie trotz zahlloser Hindernisse und Schwierigkeiten die Beschleunigung und rasche Vollendung der Bauarbeiten erzwang. Ohne ihn wäre man mit dem Bau in die Kriegszeit hineingekommen, hätte denselben später unmöglich fertigstellen können und stünde heute vor einer Ruine, nicht aber vor einer vollendeten Hochburg der Technik.
Die weitere Aufgabe war die Inneneinrichtung und die Sammlung von Museumsgegenständen. Der berühmte Altmeister der Technik Dr. W. Exner als Obmann des Organisationsausschusses und an seiner Seite der Direktor des Museums Hof rat Ing. L. Erhard, der von Anbeginn mit unvergleichlicher Selbstlosigkeit und Arbeitsfreudigkeit am Werke teilnahm und dessen Genialität in der Fülle origineller Ideen bei der Schaffung, Anordnung und Ausgestaltung der Schausammlungen augenfällig wird, haben in der Bewältigung dieser schwierigsten, umfangreichsten und das größte Geschick erfordernden Arbeit Großartiges geleistet. Sie haben zunächst den geistvollen Grundplan des Museums geschaffen, dann durch Verwendung einer großen Anzahl von Mitarbeitern aus den Kreisen der Wissenschaft und der Praxis Fachkonsulentenkollegien für die einzelnen Abteilungen gebildet und diese Organismen sachkundig und zielbewußt geleitet. Die Aufopferung, mit der sich die Fachkonsulenten der Ausgestaltung der einzelnen Abteilungen hingaben, war bewundernswert, und auch ihnen ist das Zustandekommen des Museums, wie es ist, zu danken, ebenso wie den zahlreichen Unternehmungen und Industriellen, die dem Museum äußerst kostbare und wertvolle Schaustücke gewidmet haben. Insbesondere ist