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1932: Erstes Heft
Entstehung
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Gründungsgeschichte des Technischen Museums.

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lung in der Form eines Technischen Museums ins Leben zu rufen, schien mir eine goldene Brücke sowohl für die Veranstalter der Ausstellung als auch für die Idee des Technischen Museums zu bilden, zumal da diesem Unternehmen nunmehr auch jene Unterstützung der Regierung zuteil werden müßte, die sie ursprünglich der unliebsam gewordenen Ausstellung zugesichert hatte. In der Überzeugung, daß das weitreichende Museumsprojekt nur dann durchführbar sei, wenn die gesamte Industrie Österreichs daran mitarbeitet, wandte ich mich an den Obmann des da­maligen ständigen Ausschusses der drei zentralen Industrieverbände, Dr. Arthur Krupp. Herr Krupp war mit den Vorschlägen vollständig einverstanden, und mit dem ganzen Gewichte seiner hervorragenden Persönlichkeit setzte er sich bei den industriellen Verbänden für die Durchführung des Planes ein.

Nun war an die Organisation eines Komitees zu schreiten, welches die ganze Angelegenheit in die Hände nehmen sollte. Seine Zusammensetzung war von selbst gegeben: Die industriellen Verbände mußten als Gründer des Technischen Museums den Grundstock bilden; der Gewerbeverein, als Veranstalter der Aus­stellung, war die zweite Gruppe und die dritte Gruppe stellte der Elektrotechnische Verein dar, von dem die erste Anregung ausgegangen war. Zum Glück war die persönliche Zusammensetzung dieses vorbereitenden Komitees eine so vorzügliche, daß durch sie alle Schwierigkeiten überbrückt werden konnten. Nur dadurch, daß Dr. Arthur Krupp an die Spitze dieses Komitees trat und der Gewerbeverein so außerordentlich klug war, nicht nur seinen Präsidenten, sondern kurz nach der Konstituierung des Komitees auch seinen Ehrenpräsidenten Ing. Dr. W. Exner in das Komitee zu entsenden, ist das Technische Museum zustande gekommen. Hiebei muß ich auch dankbar meiner damaligen Mitarbeiter gedenken, namentlich des späteren Staatssekretärs Dr. Löwenfeld-Russ und des Ministerialkonzipisten und jetzigen Außenministers Dr. Grünberger.

Die erste Aufgabe des vorbereitenden Komitees war die Besorgung der finan­ziellen Mittel, denn ohne diese war an die Ausführung eines solchen Unternehmens nicht zu denken. Binnen kürzester Zeit war durch Sammlung der Betrag von K 4000000 aufgebracht und dieser Erfolg war ausschließlich der Tätigkeit des Finanzreferenten Herrn Hugo v. Noot zu danken, der mit bewundernswerter, liebenswürdiger Hartnäckigkeit auch die zugeknöpftesten Taschen zu erschließen wußte. Selbstverständlich war es auch notwendig, eine Staatssubvention zu er­wirken. Nach unendlichen Mühen ist es gelungen, vom Staate die Zusicherung zu erreichen, daß er geneigt sei, 30 v. H. der Gesamtkosten des Museums im Höchst­betrage von l 1 /, Millionen Kronen zu widmen. Diese Widmung wurde an die Be­dingung geknüpft, daß aus den Museumsgeldern die Vorauslagen der Gewerbe­ausstellung, welche den Betrag von l /z Million Kronen bereits überschritten hatten, gedeckt werden. Weiters wandte man sich an die Gemeinde Wien, die dem Unter­nehmen eine Million Kronen und den Baugrund zusicherte, auf dem das Museum heute steht; sie bewahrte der Anstalt ihr lebhaftes Interesse und ihre wertvolle Unterstützung bis auf den heutigen Tag. Die Widmung der Gemeinde Wien war aber gleichfalls an eine eigenartige Bedingung geknüpft; es durfte nämlich aus dem Zuschüsse der Gemeinde und überhaupt aus den Geldern des Museums auch nicht ein Heller für die Vorauslagen der Gewerbeausstellung verwendet werden.