Heft 
1932: Erstes Heft
Entstehung
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Das Österreichische Forschungsinstitut für Geschichte (1er Technik. 205

Das Professorenkollegium der Technischen Hochschule kam nach eingehender Beratung dieses Antrages zu dem Schluß, es sei wegen der zu großen Verschieden­heit der zu behandelnden Fachgebiete zweckmäßiger, die Pflege und Lehre der Technikgeschichte, so wie bisher, den Vertretern der einzelnen Fakultäten zu über­lassen. Verheißungsvoller als eine Lehrkanzel wäre dagegen die Errichtung eines Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik, das schon mit einem bescheidenen Stabe besoldeter Fachkräfte und gestützt auf einen Kreis freiwilliger Mitarbeiter wertvolle Ergebnisse für die Technikgeschichte zeitigen könnte. Der ausführ­liche Bericht des Professorenkollegiums vom 4. Mai 1928 wurde den zuständigen Bundesministerien und den beteiligten Fachverhänden bekanntgegeben und bildet sohin den Ausgangspunkt für jene Maßnahmen, die schließlich zur Gründung eines Institutes für Geschichte der Technik führten.

Zunächst faßte nun der zweite Verbandstag der Österr. Ingenieur- und Archi- tekten-Vereinigungen am 17. Dezember 1928 folgende Entschließung: ,,Der Ver­bandstag empfiehlt die Errichtung eines Österreichischen Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik am Technischen Museum zu Wien und beantragt den Ausbau des Denkmalschutzes hinsichtlich der Erhaltung technischer Kulturdenkmale.

Die Bundesregierung nahm diese Anregungen zur Kenntnis und, nachdem sich auch das Unterrichtsministerium und die Akademie der Wissenschaften im gleichen Sinne geäußert hatten, forderte das Bundesministerium für Handel und Verkehr mit dem Erlasse vom 6. Februar 1929 die Direktion des Technischen Museums auf, einen Bericht über diese Angelegenheit zu erstatten. Der damalige Museumsdirektor, Hofrat Dr. Ing. L. Erhard, verfaßte daraufhin eine Denkschrift über die Aufgaben und Ziele, die Einrichtung, die Kosten und die Aufbringung der Mittel der geplanten Anstalt. Ein Auszug aus dieser Denkschrift vom 4. März 1929 wurde gedruckt und allen beteiligten Kreisen zur Kenntnis gebracht.

Nunmehr nahm auch der Niederösterreichische Gewerheverein seine Arbeiten wieder auf und veranstaltete am 24. März 1930 eine Enquete, bei der die Grundlinien der zugunsten des Forschungsinstitutes zu leistenden Vorarbeiten festgelegt und namentlich die Bildung von 30 Fachgruppen zur Sicherstellung des Forschungs­stoffes sowie die Aussendung von Fragebogen beschlossen wurde. Zur Durch­führung obiger Beschlüsse setzte der Niederösterreichische Gewerbeverein ein ,, Komitee zur Errichtung eines Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik und Industrie in Österreich ein, welches am 24. April 1930 eine Versammlung abhielt, der eine Sitzung des Subkomitees für Photographie und Druckerei am 20. April 1931 folgte. Bis zur Gründung des Forschungsinstitutes hat der Nieder­österreichische Gewerbeverein seine vorbereitenden Arbeiten weitergeführt und besonders durch die Sammlung der Fragebogen und durch einschlägige Erhebungen wertvolles Material sichergestellt, das dem neu errichteten Institute übergeben wurde. Eine besondere Freude wurde dem Präsidenten Exner dadurch zuteil, daß anläßlich der Feier seines 90. Geburtstages der Schöpfer des Deutschen Museums in München, Exzellenz Dr. 0. v. Miller, ihm zu Ehren am 11. April 1930 im Nieder- österr. Gewerbeverein einen Vortrag überTechnische Kulturdenkmale hielt.

Mittlerweile trat ein Ereignis ein, das die etwas ins Stocken geratene Angelegen­heit des Forschungsinstitutes neuerdings in Fluß brachte. Der Verein Deutscher