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Institutsleitung.
Ingenieure (V. D. I.), die größte technisch-wissenschaftliche Vereinigung der Welt, hielt nämlich zum ersten Male seine Hauptversammlung außerhalb der Grenze des Deutschen Reiches Mitte September 1930 in Wien ab. Dadurch wurde die Aufmerksamkeit der maßgebenden Stellen neuerdings auf die Geschichte der Technik hingelenkt, die vom V. D. I. und seinem verdienten Direktor, Prof. Dr. Ing. C. Matschoss, eifrig und erfolgreich gepflegt wird. Die Hauptversammlung bot auch dem Österreichischen Verein Deutscher Ingenieure (Ö. V. D. I.) den willkommenen Anlaß, in den erlesenen, von der Unterrichtsverwaltung und der Direktion freundlichst zur Verfügung gestellten Räumen der Graphischen Sammlung „Albertina“ in Wien eine Ausstellung „Österreichs Technik in Dokumenten der Zeit“ durchzuführen. Diese vielbeachtete Ausstellung, die zum ersten Male eine nach technischen Gesichtspunkten getroffene Auswahl von technischen Darstellungen und Urkunden aus staatlichen Museen, Archiven, Büchereien und privaten Sammlungen umfaßte, bot eine nützliche Vorarbeit für das zu errichtende Forschungsinstitut dar. An der im Festsaal der „Albertina“ am 19. September 1930 abgehaltenen Fachsitzung über „Geschichte der Technik“ beteiligten sich Unterrichtsminister Prof. Dr. H. Srbik und Handelsminister Dr. F. Schuster persönlich und bei der Begrüßungsfeier im großen Saal des Musikvereines verkündete Bundespräsident W. Miklas den versammelten tausend reichsdeutschen und österreichischen Ingenieuren, daß die österreichische Regierung trotz der großen Not der Zeit einen entsprechenden Bestandsbeitrag für das zu gründende Österreichische Forschungsinstitut für Geschichte der Technik in den Staatsvoranschlag für 1931 eingesetzt habe.
Nun erfolgte die entscheidende Wendung im Werdegang des Institutes durch einen Beschluß des Kuratoriums des Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien, welches unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. Ing. A. Krupp auf eine Einladung des Handelsamtes hin in seiner Sitzung am 16. Juni 1930 der räumlichen Angliederung des Forschungsinstitutes an das Technische Museum zustimmte, einen Voranschlag für die einmaligen Einrichtungs- und die jährlichen Betriebskosten aufstellte, einen Arbeitsausschuß zur Durchführung der nötigen Arbeiten einsetzte und die ehrenamtliche Führung des Institutes durch einen berufenen Fachmann in die Wege leitete.
Der neuernannte Arbeitsausschuß des Kuratoriums trat zum ersten Male am 7. März 1931 unter dem Vorsitz des hochbetagten Präsidenten Dr. W. Exner zusammen, der bei dieser Gelegenheit den Anwesenden die Pflege des Forschungsinstitutes als seinen letzten Wunsch und Willen ans Herz legte. Am 24. Mai 1931 endete das an Arbeit und Erfolg so reiche Leben dieses Altmeisters der Technik.
In der am 2. Juni 1931 abgehaltenen zweiten Sitzung des Arbeitsausschusses wurden dann die Herren:
Hofrat Dr. K. Holey, o. ö. Professor der Technischen Hochschule und Generalkonservator der Denkmale, zum Vorsitzenden,
Unterstaatssekretär a. D. Ing. B. Exderes zum Stellvertreter und der mittlerweile zum Institutsleiter ehrenamtlich bestellte Museumsdirektor i. R.
Hof rat Dr. Ing. L. Erhard zum Referenten gewählt.