Ein altes Wendeltreppenmodell im Salzburger Museum. 209
artig in zwei Stufen herabhängen. Damit ist auch die stilistische Einreihung erleichtert.
Wie diese palmartige Bekrönung deutet nämlich auch die ganze Profilierung und Musterung der Treppenwangen auf die Josefinische Zeit, die wir als Louis seize-Stil zu bezeichnen pflegen, obwohl uns die Regierungszeit Kaiser Josefs II. eine bequemere Datierungshandhabe bietet.
Tatsächlich trägt das Modell auf dem Unterbau auch eine gravierte Metall- platte mit der Jahreszahl 1786 samt dem Namen: „Georg Laschenzky Senior H. L. u. bürgl. Baumeister“.
Die Laschen zky waren nun schon seit jenem Jahre in erzbischöflichem Dienste in Salzburg. Jener „Senior“ ist 1757 in Wien geboren und seit eben jenem Jahre 1786 in Salzburg nachweisbar, schließlich Hofbaumeister des letzten regierenden Erzbischofs Colloredo und Stammvater einer bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hier heimischen Baumeisterdynastie. Ihr ist eine Fülle wertvoller alter Architekturzeichnungen und theoretischer Architekturwerke zu verdanken, deutsche und italienische des 16. und 18. Jahrhunderts, die als Schenkung der Laschenzky in unser Museum Carolino Augusteum gekommen sind.
Vielleicht hat sich Johann Georg Laschenzky durch dieses jedenfalls eigenartige Modell auch bei dem Erzbischof einzuführen gesucht; denn gewiß war darin Kühnheit der Konstruktion und technisches Geschick zu erkennen. Seine Maße sind groß genug gehalten, um auch dem Laien Einblick zu gewähren. In der Höhe mißt unser Modell mit dem Unterbau 106 cm, die eigentliche Höhe der Treppe selbst ist 54 cm, der Durchmesser der Spindel 9 cm, die Stufenlänge 12 cm.
Freilich steht unsere dreiteilige Treppe nicht allein: auch die berühmte Modell- sammlung der Stadt Augsburg besitzt ein ähnliches Modell in der großartigen Sammlung alter Haus- und Turmmodelle, die auf die Zeit des berühmten Rathauserbauers Elias Holl zurückgehen und heute eine besondere Sehenswürdigkeit des Augsburger Maximilianmuseums bildet. Diese ebenfalls dreiteilige Augsburger Wendeltreppe ist bei weitem älter als die unsrige; Elias Holl selbst hat sie um 1620 für den „Wasser-Turm“ in Augsburg entworfen.
Als dann am Ende des 19. Jahrhunderts die Zunahme der Touristik die Errichtung eigener „Aussichtstürme“ auf Bergeshöhen wünschenswert machte, hat man sich begreiflicherweise damit begnügt, nur zwei Läufe übereinander zu legen, Geschichte der Technik, H. 1.
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