Hubert Weitensfelder
Die Vorteile flexibler Automatisierung charakterisierte 1985 auch Gerfried Zeichen vom Institut für Feinwerktechnik der TU Wien. Er bemerkte, dass Konsumenten nach ständig neuen Erzeugnissen und steigender Typenvielfalt verlangten, und meinte, die Industrie müsse darauf mit häufigem Produktwechsel bei zunehmend kleineren Losgrößen reagieren. Dafür biete die flexible Automation die technische Grundlage.
Der Autor nannte konkrete Fallbeispiele. Für Österreich stellte er fest, dass wegen des kleinen Inlandsmarktes automatisierte Massenfertigung mit Fließbändern und Transferstraßen die Ausnahme bildete. Daher müssten viele Massenprodukte importiert werden. Mehrere Branchen hätten sich aber mit Erfolg auf Spezial- und Marktnischenprodukte verlegt und könnten somit von der flexiblen Automation profitieren, indem sie angepasste Erzeugnisse zu leistbaren Preisen herstellten. So hatten bereits in der Vergangenheit große deutsche Konzerne wie Mercedes, BMW, Volkswagen und Siemens Entwicklungen und Fertigungsaufträge an österreichische Unternehmen vergeben, die als flexible Zulieferer galten. Als Beispiel erwähnte Zeichen eine Kooperation von Mercedes-Benz mit der Steyr-Daimler-Puch AG zum Bau von Allradfahrzeugen sowie der Mer- cedes-„G“-Reihe, die in besonders vielen Sonderausstattungen erzeugt wurde. Kurz darauf hatte auch Volkswagen Aufträge für Allradfahrzeuge nach Österreich vergeben. 47
In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wurden am Wiener Institut für Fertigungstechnik Möglichkeiten der integrativen Fertigung (CIM - Computer Integrated Manufacturing) untersucht. Damit verbunden waren Konzepte wie CAD (Computer Aided Design), CAP (Computer Aided Planning) und PPS (Produktionsplanung und -Steuerung). Zu Forschungszwecken entstand am Institut ein erstes CIM-Labor. Dafür wurden Computerhersteller wie IBM, Siemens Nixdorf und DEC (Digital Equipment Corporation) eingebunden. 48 Das Konzept des „Computer Integrated Manufacturing“ erweckte große Hoffnungen, konnte aber in der Realisierung letztlich nicht überzeugen. Das zeigt sich an einem Beispiel aus der deutschen Autoindustrie, nämlich bei Volkswagen in Wolfsburg. Anfang der 1980er-Jahre besuchte eine Delegation dieses Autokonzerns Japan und war beeindruckt vom dortigen massiven Robotereinsatz. In der Folge entschloss sich das Management, die bislang teure, zeitaufwendige und personalintensive Endmontage in Wolfsburg teilweise zu automatisieren.
47 Gerfried Zeichen: Situation und Aussichten der Flexiblen Automation in der österreichischen Industrie, in: ZÖIAV 130 (1985), Heft 12, S. 427-431.
48 Bleicher, Kittl, siehe Anmerkung 31, S. 38.
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