Einführung
Die Zukunft: Sie ist im Nachdenken über Technik und Technikgeschichte allgegenwärtig, doch waren diese Zukunftsvisionen meist implizit und selten Gegenstand der Reflexion. Lange Zeit erfolgte der Blick auf die technischen Entwicklungen der Vergangenheit im Vertrauen auf die stete Weiterentwicklung in Gegenwart und Zukunft. Der Glaube an den technischen Fortschritt bot schon seit längerem eine wesentliche Orientierung sowohl hinsichtlich der eigenen zeitlichen Verödung in der Gegenwart als auch hinsichtlich der Erwartungen an die Zukunft. Das Schwinden dieser Gewissheiten scheint ein neueres Phänomen, wie sich auch anhand der Geschichte dieser Zeitschrift erkennen lässt. Der erste der nunmehr 80 Bände der „Blätter für Technikgeschichte“ ist im Jahr 1932 erschienen. Betrachtet man die Titel der seither veröffentlichten Beiträge, so scheinen bestimmte Stichwörter immer wieder auf, darunter „Geschichte“, „Entwicklung“, „Werdegang“ und „Gedenken“. Da wurde auf Anfänge zurückgeblickt und auf meist personenbezogene Jubiläumsdaten Bezug genommen. In jedem Fall wurde über Vergangenes berichtet, meist mit einem zeitlichen „Sicherheitsabstand“, der ein qualifizierteres Urteil zu erlauben schien. Andere Zeiten stellten keine Perspektive dar.
Seit etwa 1990 änderten sich die Themen in den „Blättern“ deutlich; nun wurden vermehrt Überlegungen über das Fach Technikgeschichte und über seine Beziehungen zu anderen Disziplinen angestellt. Eine Reihe von Autorinnen verließ die überkommenen Wege, viel Neues wurde angedacht. Darüber hinaus erschienen einige Bände, die aktuelle Entwicklungen im Technischen Museum aufgriffen. In mehrfacher Hinsicht erfolgte eine nähere Hinwendung zur Gegenwart.
Seit 2010 sind die Jahresbände bestimmten Themen gewidmet: den Textilien, der Arbeit, der Chemie, der Mobilität, den Materialien und der materiellen Kultur. Bemerkenswert ist, dass erst im Doppelband 75/76 (2013/14) ein Beitrag auftauchte, dessen Verfasser den Begriff „Zukunft“ aufgriffen und sich unter dem Titel „In the Year 2525“ konkret mit der Zukunft des Verkehrs befassten - allerdings ging es dabei um Zukunftsbilder früherer Jahrzehnte. In einem weiteren Artikel im darauf folgenden Band wurden die Seltenen Erden im Titel als „umkämpfte Rohstoffe für Gegenwart und Zukunft“ charakterisiert. Doch war auch in diesem Fall nicht die Rede von zukünftigen Entwicklungen.
Das vergangene Jahrzehnt hat in historiografischer Sicht dem Blick auf die Zukunft eine gewisse Konjunktur beschert. Das spiegelt sich auch in der Sammel-
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