Aufsatz 
"Die Technische Stadt" : Wie eine Großausstellung in Dresden urbane Zukunftsvisionen prägte / Peter Payer
Entstehung
Seite
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Die Technische Stadt

Die Fassade des Kugelhauses fungierte als Werbeträger für das Cafe sowie die am Bau beteiligten Firmen. Weithin strahlende Leuchtbuchstaben, herge­stellt vom Dresdner Ingenieurbüro Ernst Klotzsch, machten das Gebäude auch nachts zur visuell reizvollen Attraktion.

Mit seinen gestalterischen und technischen Innovationen war das Kugelhaus zum Inbegriff und bemerkenswertesten Objekt der Ausstellung geworden. Sei­ne geometrische Form stand paradigmatisch für die Suche nach neuen archi­tektonischen Ausdrucksweisen auf Basis der technischen Möglichkeiten der Zeit. Den Organisatoren der Ausstellung war es damit gelungen, ein auch äs­thetisch einprägsames Zukunftsbild zu generieren.

Die Technische Stadt als Werbeerfolg

Begleitet wurde die 7. Jahresschau, wie auch ihre Vorgänger, von einer groß angelegten Werbekampagne. Der Dresdner Grafiker Willy Petzold (1885- 1978) schuf das zentrale Sujet zur Ausstellung. Es zeigt einen rötlichen, schräg gestellten, stählernen I-Träger, in dessen großformatiger Schnitt­fläche die Insignien der modernen Stadt zu sehen sind: Ein Nachtbild in expressionistischer Schwarz-Weiß-Manier mit sich auftürmenden Hochhäu­sern, Flugzeug, Straße, Fluss und Gleise mit Autos, Lastschiff und Eisen­bahn. Ein symbolträchtig verdichtetes Konglomerat aus geometrischen Bau­körpern und daueraktiven Verkehrsräumen, ohne Menschen, im Mittelpunkt allein die rational durchorganisierte, technisch determinierte, ökonomisch dauerproduktive Großstadt.

Der in Mainz geborene Petzold hatte seine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden erhalten. Seit den 1920er-Jahren war er als Ge­brauchsgrafiker mit eigenem Atelier tätig. Einer seiner wichtigsten Auftraggeber war die Dresdner Zigarettenindustrie mit den Marken Eckstein, Haipaus und Salem. Für die Jahresschauen Deutscher Arbeit konnte er gleich vier Mal den ausgeschriebenen Wettbewerb gewinnen. Nicht zuletzt deshalb wurde er zu ei­nem der bekanntesten Plakatkünstler seiner Zeit. Wobei seine Entwürfe von der Bildsprache stets ähnlich aufgebaut waren: Ein symbolgeladenes Motiv weist auf das zentrale Thema hin und dient als Blickfang, davon abgesetzt im unteren Drittel Titel und Dauer der Ausstellung in individuell gestalteter Schrift. Petzold war Mitglied der Dresdner Ortsgruppe des Bundes Deutscher Gebrauchsgra­fiker. Mit politischen Wahlplakaten unterstützte er konservative Kräfte wie die