Aufsatz 
"Die Technische Stadt" : Wie eine Großausstellung in Dresden urbane Zukunftsvisionen prägte / Peter Payer
Entstehung
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Peter Payer

rufen. Denn während die Befürworter von einem „kühnen Versuch“ sprachen 33 und die Vorteile der neuen Gebäudeform betonten (freiere Durchsicht, gerin­gere Schattenwirkung, Vermeidung von scharfen unfallgefährdenden Straßen­ecken ), 34 reagierten die Kritiker skeptisch bis entsetzt.

Fachkreise bemängelten, dass die Ausstellung durch das so prominent plat­zierte Kugelhaus „hart an den Rand einer Jahrmarktsveranstaltung“ gebracht werde . 35 Man sprach vom „Problem des Kugelhauses “ 36 und empfand es als zu „konstruiert“ und „dem allgemeinen Geschmack“ widersprechend, wie der Verein Deutscher Ingenieure formulierte. Selbst bei größtem Wohlwollen kam er zu dem Fazit: „Ein abschließendes Urteil über die Zweckmäßigkeit des Baues von Kugelhäusern läßt sich natürlich auch nach diesem Bau nicht fällen; [...] ästhetisch macht das Dresdner Kugelhaus keinen ungünstigen Eindruck, wenn es auch noch zweifelhaft erscheint, ob es in anderer Umgebung dieselbe Wir­kung ausüben wird .“ 37 Abwartend prognostizierte man: „Zweifellos von man­chem Reiz, dürfte es sich doch nur zu Vergnügungs- und Liebhaberzwecken durchsetzen .“ 38

Andere reagierten weniger diplomatisch. Sie taten, wie eine Salzburger Illus­trierte, den Bau als „Kuriosum“ ab, bezeichneten ihn als das erste Kugelhaus und „wohl auch zugleich das letzte“ und luden die Leserinnen zu folgendem Gedankenexperiment ein: „Man nehme nur seine Phantasie an die Leine und führe sie ein wenig spazieren. Wie sähe eine Straße mit lauter Kugelhäusern aus? [...] Man denke sich nur einmal, unsere liebe Festung Hohensalzburg wäre seinerzeit als Kugelhaus erbaut worden ... Eine Seifenblase zu unseren Häup­tern !“ 39 Kurzum, so die Kritiker: Eine „phantastische“, wenn nicht gar „wahnsin­nige“ Idee und „zweifellos seltsame Wege“, die die moderne Architektur gehe . 40 Die Wiener „Illustrierte Wochenpost“, die sich in einer Spezialausgabe Gedan­ken über „die Welt in hundert Jahren“ machte, führte noch ein weiteres Argument ins Treffen. Schon allein aufgrund der sich rasant verändernden Mobilitätsanfor­derungen bleibe nur eine Schlussfolgerung: „Kugelhäuser sind Unsinn! Wenn man heute Kugelhäuser propagiert, beweist man, daß man für die Bedürfnisse des modernen Verkehrs kein Verständnis hat. Oder daß man nicht weitsichtig

33 Neue Freie Presse, 2.3.1929, S. 18.

34 Vgl. Arbeiter-Zeitung, siehe Anmerkung 32.

35 Zentralblatt der Bauverwaltung, siehe Anmerkung 29.

36 Zeitschrift ÖIAV, siehe Anmerkung 32, S. 172.

37 Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure (1928), Nr. 48, S. 1769.

38 Feierabend. Beilage zum Niederösterreichischen Grenzboten (1928), Nr. 131, S. 1.

39 Die Woche im Bild. Illustrierte Unterhaltungs-Beilage der „Salzburger Chronik“ (1928), Nr. 22, S. 2.

40 Ebd., Nr. 9, S. 1; Neuigkeits-Welt-Blatt, 22.3.1928, S.1.

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