Vergangenheit als Zukunft
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Abb. 4 Alpe Dias, Tirol, Käppi im Paznaun
Die alte Sennerei wurde zu einem Almmuseum umgewandelt, der Käsereibetrieb wegen der neuen Hygienevorschriften ausgelagert Quelle: BDA Tirol, © Walter Hauser
men wenig Rücksicht auf den Altbestand. Den normativen Planungsparametern steht das, oft im wahrsten Sinn des Wortes, „vielschichtige“ Baudenkmal gegenüber. Die Verwirrung ist groß, wenn ein/e Antragsteller^ mit baubewilligter Aufstockung und neu geplantem Dachaufbau beim Denkmalamt erfährt, dass der barocke Dachstuhl erhalten werden muss und der bewilligte und für den Dachausbau vorgeschriebene Aufzug an der geplanten Stelle nicht möglich ist, da er spätgotische Gewölbe durchstoßen würde. Unverständnis liegt auch vor, wenn die Denkmalbehörde Sonderlösungen fordert, zum Beispiel im Fall der geforderten Barrierefreiheit, des Brandschutzes oder der Maßnahmen zur Energieeffizienz. Dabei bedarf es vieler Erklärungen, dass nicht die Erfüllung einer Vorschrift Vorrang vor einer anderen hat, sondern dass die Lösung nur die Berücksichtigung aller für das Bauprojekt relevanten Gesetzesmaterien erfordert. Das führt etwa dazu, dass durch den Bau von Liftanlagen bis in hochalpine Lagen, denkmalgeschützte Schutzhütten in Hinblick auf Barrierefreiheit und erhöhten Brandschutz aufgerüstet werden müssen. Deshalb müssen zusätzliche Fluchtstiegenhäuser errichtet und/oder Handläufe adaptiert werden (Abb. 2+3).
Auch die auf Hochalmen gelegenen Almhütten unterliegen im Falle der Käseproduktion den jetzt auch für diese geltenden strengen Hygienevorschriften. Die Produktionsräume erhalten Verlesungen bis an die Decke und Produktionsmittel aus Edelstahl (Abb. 4).
Aus Sicht der Denkmalpflege entstand aus den oben angeführten Gründen dringender Handlungsbedarf, die vielfältigen Abläufe und Abwägungsparame-
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