35 700 und 800 Gulden. 24 Dafür wird die anstandslose Erfüllung des Dienstes erwartet, die penible Einhaltung der Dienstzeiten, das Tragen von Amtskleidung, Ordnunghalten in den Amtsräumen und zuvorkommendes Benehmen gegenüber den Kunden. Vor allem aber erwartet der Dienstherr die unbedingte Wahrung des Telegrafengeheimnisses. Dem Telegrafenbeamten ist strengstens verboten, den Inhalt einer Depesche oder auch nur die Namen von Aufgeber und Empfänger an Außenstehende weiterzugeben. Die Geheimhaltung gilt freilich nicht gegenüber autorisierten Behörden, wie ein Zusatz in der betreffenden Verordnung einschränkt. 25 Der Staatstelegraf hat mit einem rasch wachsenden Verkehrsaufkommen zu kämpfen. Er muss neben dem amtlichen Korrespondenzverkehr den privaten bewältigen und dazu noch den durchlaufenden europäischen Transit. Mangels Direktverbindungen zwischen den Provinzstädten der Habsburgermonarchie muss ein großer Teil ihrer Korrespondenz über Wien laufen, was die Belastung in der Hauptstadt erhöht. Zur Entlastung der Zentralstation werden im März 1858 in den Vorstädten Mariahilf und Leopoldstadt„Filial-Telegraphen-Stationen“ eingerichtet, die sowohl für den in- und ausländischen Verkehr zugelassen sind als auch für den Lokalverkehr in die Wiener Vorstädte und zwischen ihnen. 26 Stauungen treten in Wien vor allem in den Mittagsstunden auf, wenn der Hauptanteil der Geschäftskorrespondenz anfällt, während die restliche Zeit des Tages viele Apparate ruhen. Durch das hohe Aufkommen sinkt die durchschnittliche Beförderungsgeschwindigkeit und der Morseapparat wird zunehmend als zu langsam empfunden. Theoretisch könnten auf einer gewöhnlichen Leitung bei idealen Bedingungen hundert Worte pro Minute befördert werden, praktisch schaffen die Apparate gerade einmal vierzig. Da aber die Depeschen von Beamten zwischendurch gelesen und handschriftlich niedergeschrieben werden müssen, sinkt der Durchschnitt der erledigten oft auf unter zwanzig. Und da von Zeit zu Zeit immer auch äußere Störungen auftreten, liegt die letztendliche Beförderungsleistung mitunter noch tiefer – bei zehn Worten oder weniger. 27 Angesichts der akuten Leitungsüberlastung wird das Personal diverser Behörden der Staatsverwaltung wiederholt ermahnt, sich bei der Abfassung dienstlicher Nachrichten„kurz und bündig zu fassen“. Man möge den Telegrafen nicht für Korrespondenz missbrauchen, die auch brieflich abgewickelt werden könne. Wenn schon telegrafische Depeschen, dann nicht in ausufernder Schilderung und ohne unnötige Phrasen und„alle Cortoisie-Worte und Höflichkeitswendungen“ wie„Exzellenz“ oder„Hochwohlgeboren“. 28 Gefordert ist ein prägnanter moderner Telegrammstil.
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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