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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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108 der am Balkan operierenden Armee auf den verzweifelten Gedanken, aus begabten Telegrafenbaumännern möglichst rasch Telefonisten zu machen und aus begabten Telefonisten Telegrafisten. 21 Neben dem Telegrafennetz verfügt die militärische Führung über Funksta­tionen wie die im Gebäude des Kriegsministeriums auf der Wiener Ring­straße oder den starken Sender am Laaer Berg am Stadtrand, über den auch regelmäßig mit dem Generalstab des Deutschen Reiches korrespon­diert wird. Vor allem aber wird mit ortsfesten Funkstationen entlang der gefährdeten Reichsgrenzen Verbindung gehalten. 22 Die Funktechnik hat neben Vorzügen wie der Kabellosigkeit allerdings auch einen erheblichen Nachteil. Sie kann grundsätzlich von allen in­nerhalb des Sendebereiches arbeitenden Empfangsstationen belauscht werden. Um ein Mitlesen seitens des Gegners zu verhindern, müssen Nachrichten chiffriert werden. Maximilian Ronge, ein Offizier im Evidenz­bureau des Generalstabs in Wien, der Spionagezentrale der Armee, ist für Verschlüsselung zuständig. 23 Mit dem Reserveoffizier Andreas Figl verfügt Ronge über einen ambitionierten Mitarbeiter, der im Kriegsministerium eineChiffregruppe aufstellt, die den Chiffrier- und Dechiffrierdienst der militärischen Zentralstellen erledigt. Wie sein Chef Ronge ist Figl von der Notwendigkeit einer derartigen Stelle überzeugt, um dem unentwegten Durchsickern geheimer Nachrichten von diversen Kriegsschauplätzen ein Ende zu bereiten. Er meint, zu viele Verantwortliche in den eigenen Reihen seien sich ihrer Schweigeverpflichtung nicht bewusst und beklagt die Miesmacher im Hinterland, die für das Verbreiten unbestätigter Ge­rüchte zu zahm behandelt würden, zumal dasselbe Vergehen an der Front standrechtlich exekutiert würde. 24 Das mit dem Verschlüsseln befasste Personal erhält regelmäßig aktuelle Schlüsselunterlagen ausgehändigt. Darin wird vorgegeben, nach welchen Regeln die Buchstaben einer Nachricht aktuell zu chiffrieren sind, bevor sie nach dem Morsealphabet gefunkt werden dürfen. Der legitime Emp­fänger verfügt ebenfalls über die Umwandlungsschlüssel und kann die Botschaft entziffern. Die Schlüsselunterlagen sind sicher zu verwahren und bei drohender Gefahr durch den Gegner zu vernichten, um nicht in dessen Hände zu fallen. Ein Verlust ist sofort dem Kriegsministerium zu melden, damit durch Kuriere neue Schlüssel für alle betroffenen Einheiten in Umlauf gebracht werden können. Es gilt mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Gegner die eigene militärische Korrespondenz mitlesen kann. Ein so genannterKorrespondenzüberwachungsdienst, der den Funkverkehr eigener Einheiten belauscht, kontrolliert, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.