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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
Entstehung
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151 streitmacht nahe der russischen Stadt Kursk in Erfahrung zu bringen. Dank dieser Erkenntnisse kann die vorgewarnte Rote Armee der Wehrmacht eine vorentscheidende Niederlage beibringen. 22 In Bletchley Park erwächst den Deutschen ein schier unüberwindlicher Gegner. Ab 1943 können sich die Briten zur Entschlüsselung von Fern­schreiben auf einen ersten Großrechner namens Colossus stützen, den der Mathematiker Max Newman entwickelt und ein Telefoningenieur namens Thomas Flowers auf der Basis von 1.500 Röhren gebaut hat. Stecker und Schalter ermöglichen die Maschine zu programmieren, die mit Hilfe von Fotozellen pro Sekunde 5.000 in Lochstreifen gestanzte Buchstaben zu je 5 Binärzeichen verarbeitet. Eine neue Version des Rechners schafft mit 2.500 Röhren rund 25.000 Buchstaben pro Sekunde. Colossus liefert in Stunden Ergebnisse, wofür das früher gebräuchliche händische Verfah­ren Wochen in Anspruch genommen hat. 23 Angesichts dieser enormen Kapazität verlieren die deutschen Geheimfernschreiber ihren Schrecken. So kompliziert kann ein Schlüssel nicht konstruiert werden, dass er durch einen mächtigen Rechner nicht in absehbarer Frist bloßgelegt werden könnte. Immer öfter gelingt es, streng geheime Korrespondenz höchster deutscher Führungsstellen mitzulesen. Die deutsche Seite modifiziert zwar im Februar 1944 die Lorenzmaschine, um die Sicherheit ihres Nach­richtenverkehrs zu erhöhen. Doch ist man in Bletchley Park bald wieder in der Lage, die Funkkorrespondenz zwischen der Führung Berlin und dem Oberbefehlshaber der Front im Westen zu studieren. 24 Im Hinblick auf die geplante Landung der Alliierten in der Normandie ist es von unschätz­barem Wert, den deutschen Befehlshabern bei ihrer Planung geradezu in die Karten schauen zu können.