174 Ab Februar 1981 bietet die österreichische Post unter der Bezeichnung „Telepost“ zunächst versuchsweise einen Faxdienst an, im Rahmen dessen Interessenten eine handgeschriebene, gezeichnete oder gedruckte Vorlage an einem von Dutzenden entsprechend ausgestatteten Postämtern im Bundesgebiet aufgeben können. 33 Das Papier wird abgetastet und innerhalb von drei Minuten übertragen. Vom Empfängerpostamt aus wird es sodann postalisch an den eigentlichen Empfänger wie ein dringendes Privattelegramm zugestellt. Als Vorteil für Geschäftswelt wie Privatkunden wird der Umstand hervorgehoben, dass Dokumente bildgetreu wie ein Brief mit der Geschwindigkeit eines Fernschreibens übermittelt werden. Der neue Dienst hat aber seinen Preis. Anfangs kostet die Übertragung der ersten Seite 45 Schilling, jede weitere 25. Im Mai 1983 wird der Dienst auf ganz Österreich ausgedehnt, dann auch auf die Bundesrepublik Deutschland, die Schweiz und Liechtenstein, und bald darauf, durch die Radio Austria, auf eine große Zahl an Staaten von Australien bis zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Nach Australien kostet die erste Seite übrigens 220 Schilling, jede weitere 200. 34 In der Folge verbreiten sich die im Elektrogerätehandel frei erhältlichen Faxgeräte auch in privaten Unternehmen oder Wohnungen. Basierend auf den individuellen Anschlüssen des Telefonnetzes entzieht sich auch das Fax der Abhängigkeit vom Amtsapparat. Allerdings behält sich die Post auch hier bezüglich der verwendeten Geräte die Genehmigung vor, um zu verhindern, dass Modelle ans Netz gehen, die Störungen verursachen. Die Kosten eines Telefaxgeräts sind anfangs zudem recht hoch. Das Modell HF 1048 von Siemens kostet umgerechnet fast 50.000 Schilling; 35 eine enorme Summe, zumal für Privatpersonen bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 12.500 Schilling. 36 Zum Übermitteln muss zudem Spezialpapier verwendet werden, das ebenfalls teuer kommt. Im Laufe der Jahre wird das Spezialpapier jedoch obsolet und die Gerätepreise fallen. Dies und die einfache Handhabung führen dazu, dass sich das vielfältig einsetzbare Faxgerät langsam auch im privaten Bereich verbreitet. Im Hinblick auf Anwendungen im Büro geht 1983 mit dem Teletexsystem ein erweiterter Telexdienst ans Netz. Das auch als„Bürofernschreiben“ bezeichnete und auf Speicherschreibmaschinen oder Textverarbeitungsgeräten basierende System verfügt über einen größeren Zeichenvorrat und kann die meisten der gängigen Alphabete darstellen. Es beherrscht Groß- und Kleinschreibung, diverse Textverarbeitungsfunktionen sowie die Ausgabe auf Papier und auf diversen Speichermedien, was eine spätere Weiterverarbeitung ermöglicht, ohne den gesamten Textkorpus aufs Neue tippen zu müssen. Außerdem zeichnet sich Teletex durch eine deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeit von unter zehn Sekunden pro Seite
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Blitzschnell in die Ferne schreiben : Geschichte der Telegrafie in
Österreich / Wolfgang Pensold, Otmar Moritsch, Mirko Herzog
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