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L. Erhard: Vom Lebenssinn der Technik.
B. Technobiotische Kurven (Abb. 7).
V oraussetzungen:
a) Ein neuartiges technisches Erzeugnis, z. B. ein allseits begehrtes Rundfunkgerät soll zum doppelten Selbstkostenpreis, einschließlich Regie und Gewinn, verkauft werden. Ferner soll der Erlös für jedes Stück wieder zur Herstellung von zwei gleichen neuen Stücken Verwendung finden, wobei die Stückmengen bei einem unbegrenzt offenen Absatzgebiet in gleichen Zeitabständen nach einer geometrischen Reihe ungehindert vermehrt würden.
b) Im geschlossenen Absatzgebiet erfährt dagegen die Vermehrung der Erzeugnisse infolge der beschränkten Käuferzahl eine Hemmung, die mit dem Sättigungsgrad des Absatzmarktes an wächst.
Aufzeichnung der technobiotischen Kurven:
1. Vermehrungskurve I. — Auf der waagrechten Grundlinie x werden für gleiche Zeitabstände die entsprechenden Stückmengen m in Tausenden senkrecht auf getragen. Die Kurve I ergibt dann den stetigen Verlauf der Stückvermehrung im offenen Absatzgebiet, also m n = 2m ()1 _ 1) .
2. Sättigungskurve II. — Auf der senkrechten Linie y trägt man sodann die im geschlossenen Absatzgebiet entstehenden, den jeweiligen Mengen m entsprechenden Sättigungsdrucke p waagrecht auf. Im vorliegenden Fall soll die Gesamtzahl der möglichen Käufer V = 16 Tausend betragen. Wenn nun auf jeden Käufer ein Warenstück trifft, so ergeben sich die jeweils restlichen Käuferzahlen v n durch Subtraktion der zugehörigen Stückzahlen m n von der Gesamtzahl der Käufer V; also v n = V — m n und demnach p n = V : v n . Die Sättigungskurve II entspricht sohin einem stetig zunehmenden, die Stückvermehrung hemmenden Sättigungsdruck p n des geschlossenen Absatzgebietes.
3. Wachstumskurve III. — Das waagrechte Hinzufügen der jeweiligen Drucke p der Sättigungskurve II zu den entsprechenden Punkten m der Vermehrungskurve I ergibt schließlich den zweiseitig gekrümmten Verlauf der resultierenden Wachstumskurve III mit den Punkten w, wobei die Strecken p n = m n bis u\.
Während demnach die Vermehrungskurve I und die Sättigungskurve II einseitige, einander entgegengesetzte Krümmungen aufweisen, verläuft die resultierende technobiotische Wachstumskurve III in zweiseitiger Krümmung mit einem Wendepunkt W P.