Viktor Kaplan.
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wickelte und Konstruktionen schuf, die dann von Amerika wieder übernommen worden sind.
In der Schrift 1 „Versuche über das Sicht barmachen der Wasserströmung in den Turbinen und dessen Verwertung in der wissenschaftlichen Forschung“ hebt Kaplan ausdrücklich die Notwendigkeit des wissenschaftlichen Versuches bei Klarlegung der Strömungsvorgänge hervor. In jener Arbeit gibt Kaplan auch eine Beschreibung des nach seinen Angaben bei der Lehrkanzel für Maschinenlehre und Maschinenbau errichteten Turbinenlaboratoriums. Dieses soll einerseits für Unterrichtszwecke, anderseits auch der Forschung dienen. Die Versuchsturbine lieferte die Firma Storek, deren Chef Ignaz Storek immer ein warmer Förderer Kaplans gewesen ist. Die gläsernen Saugrohre spendete die Firma Reich in Gaya und die Pumpen wurden von der Brünn-Königsfelder Maschinenfabrik zur Verfügung gestellt. Dieses Laboratorium war in einem Keller des Neubaues der Hochschule untergebracht. Kaplan war das Vorhandensein ausgezeichneter Laboratorien bei Turbinenfabriken wohl- bekannt. „Leider“ — so berichtet er in dem Aufsatz im „Mühlen- und Speicherbau“ — „dringen deren Ergebnisse fast nie an die Öffentlichkeit — aus begreiflichen Gründen —, doch wird dadurch die Möglichkeit wissenschaftlichen Forschern sehr erschwert. Schon aus diesem Grunde wäre es von größtem Wert, durch weitestgehende Ausbildung hydraulischer Laboratorien an den technischen Hochschulen klärend zu wirken, denn die gefundenen Ergebnisse kämen nicht nur der Wissenschaft, sondern auch dem Wohle des Staates zugute.“ Wenn also auch anderswo in Turbinenfabriken und Hochschulen größere und weitaus besser eingerichtete Laboratorien vorhanden waren, so wurde doch in der bescheidenen Versuchsanstalt der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn der Grund zu der schnelläufigen Flügelradturbine gelegt, und daß diese in dem kleinen Laboratorium mit so einfachen Mitteln ausgebildet wurde, gibt Zeugnis von der schöpferischen Kraft Kaplans.
Im nachfolgenden sei eine kurze Beschreibung der Einrichtung des ursprünglichen Laboratoriums gegeben (vgl. Abb. 9).
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Abb. 9. Turbinenlaboratorium an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn.
„Mitteilungen des k. k. teclin. Versuchsamtes, Wien, I. Jahrg. 1912, 2. u. 3. Heft.