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Alfred Lechner
rad nur durch Einschaltung von Übersetzungsgetrieben erreicht werden konnte, wodurch aber der Wirkungsgrad verringert wird.
Kaplan erwähnt dann einiges aus der Geschichte der Wasserturbinen, das Auftreten der Fourneyron-Turbine, welcher im Jahre 1839 die axiale Henschel- Jonval-Turbine folgte. Die Wellen dieser Turbinen waren meist vertikal, daher konnten Transmissionswellen erst durch Einbau von konischen Rädern angetrieben werden, wodurch gleichfalls die Kosten der Anlage verteuert und der Wirkungsgrad vermindert wurde. Durch die Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt am Main • im Jahre 1891 erhielt der Wasserturbinenbau einen neuen Impuls. Hier wurde zum
ersten Male, dank der Initiative Oskar v. Millers, der in Lauffen am Neckar durch eine Wasserturbine erzeugte Drehstrom vermittels einer 175 km langen Fernleitung nach Frankfurt am Main übertragen. Die Verwertung der Wasserkraft zur Erzeugung elektrischer Energie war mit der Forderung hoher Umlaufzahlen verbunden. Hierfür waren aber die Jonval- und Girard - Turbinen mit ihren geringen Drehzahlen nicht geeignet, weil sie den Einbau von teuren Transmissionen erforderten.
Zwischen der Leistung L, dem Kraftmomente M und der Drehgeschwindigkeit (o besteht folgende Beziehung:
L = M . co.
Um also eine bestimmte Leistung zu erhalten, kann man ein großes Moment und eine kleine Drehgeschwindigkeit oder ein kleines Moment und eine große Drehgeschwindigkeit verwenden.
Ein kleines Kraftmoment bedeutet aber auch kleine Abmessungen der Kraftmaschine, daher verbilligt ein schnellaufender Generator die Kosten. Die vorhin genannten Turbinen wurden durch die Francisturbine 1 und das Peltonrad verdrängt. Die Francisturbine ist eine von außen beaufschlagte Radialturbine mit annähernd axialem Wasseraustritt, deren Laufrad die Anbringung eines Saugrohres gestattet. Das Laufrad (Abb. 22) besteht aus einer Anzahl räumlich gekrümmter Zellen, welche durch die Schaufeln und Rad Wandungen begrenzt sind. In Amerika wurden die Schaufeln und Laufradformen der Francisturbine rein empirisch gewonnen, während man in deutschen Landen die Theorie mächtig ent-
1 Über die Geschichte dieser Turbine, welche in Deutschland bereits in der Redtex- BACHER-Turbine ihren Vorläufer hatte, vgl. die Arbeit von R. Reindl: „Entwicklung der Wasserkraftnutzung und Verwertung der Wasserkräfte“, Wasserkraftjahrbuch 1924.
Abb. 8. Ignaz Storek (1862—1918).