Viktor Kaplan.
31
Turbinenwesen 1912, S. 83) sowie die Untersuchungen über die Gesetze der Flüssigkeitsströmung bei Berücksichtigung der Flüssigkeits- und Wandreibung unter Zuhilfenahme der Analogie zwischen den Bewegungsgleichungen zäher Flüssigkeiten und den Gleichungen der Wärmeleitung (Zeitschr. d. Yer. dtsch. Ing. 1912, S. 1578) und dann die besonders wichtige und interessante Schrift „Die zweidimensionale Turbinentheorie mit Berücksichtigung der Wasserreibung und deren Anwendung und Ergebnisse bei Schaufelkonstruktionen“ (Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen 1912, Heft 34 bis 36) zuzuschreiben.
Wer diese Arbeiten aufmerksam liest, der kommt zur Überzeugung, daß Kaplan diese Untersuchungen zu einem bestimmten Zweck ausgeführt hat. Diesen gibt er auch in der letztgenannten Arbeit vom Jahre 1912 ausdrücklich an. Will man den Wirkungsgrad der Turbine erhöhen, höhere Schnelläufigkeit erzielen, so nehme man wenig und sanftgekrümmte Schaufeln. Nach Studium dieser Arbeiten sind die folgenden Patentanmeldungen ohne weiteres verständlich. Am 28. Dezember 1912 reichte Kaplan beim österreichischen Patentamt die „Kreiselmaschine I“ mit radialem Leitrad und vorwiegend axial durchflossenem Laufrad (österr. Patent Nr. 74388) ein, dem am 19. September 1913 die „Kreiselmaschine II“ mit weitem schaufellosem Raum zwischen dem vorwiegend radialen Leitrad und dem vorwiegend axialen Laufrad (österr. Patent Nr. 86511) folgte und der bereits am 7. August 1913 die Anmeldung über die „Regulierung I Hauptpatent“, d. i. die Kreiselmaschine mit drehbaren Laufradschaufeln, (österr. Patent Nr. 74244) vorausgegangen war. Wenn man ferner berücksichtigt, daß am 6. Oktober 1913 auch die Anmeldung „Laufrad I, Hauptpatent“ erfolgte, welche das Laufrad ohne Zellen betrifft, wobei die Profillänge kürzer als die zugehörige Schaufelteilung ist (österr. Patent Nr. 73820), so ist der Schluß gerechtfertigt, daß Kaplan bereits im Jahre 1912 zu seiner Erfindung gelangt war. Wir werden hören, warum die Welt erst viel später von dem eigentlichen Wesen der Erfindung erfuhr.
Kaplan hatte also im Jahre 1910 ein Laboratorium erhalten und konnte nun seinen Forschungen nachgehen. Sobald es seine dienstliche Inanspruchnahme zuließ, verschwand er im Laboratorium und probierte seine ersonnenen Laufräder aus. War schon das Licht in allen Stockwerken des Hochschulgebäudes erloschen, so konnte man noch spät abends die erleuchteten Kellerräume wahrnehmen und das Rauschen des Wassers und das Arbeiten der Pumpen daselbst von der Straße aus vernehmen.
Daß der dauernde Aufenthalt Kaplans in diesen feuchten Kellerräumen seinem Gesundheitszustand nicht förderlich war, kann wohl nicht bestritten werden. Kehrte er dann nachts heim, so finden wir ihn nach einem flüchtig eingenommenen
Abb. 11. Gläserne Saugrohre. Versuche mit Hanffahnen.