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Alfred Lechner
daß ich die Mitteilung von Fehlversuchen für den weiteren technischen Fortschritt nicht für weniger wichtig halte als die Veröffentlichungen von sogenannten Parade versuchen.
Viele unnütze theoretische und praktische Erfindertätigkeit könnte in andere Bahnen gelenkt werden, wenn der Fachwelt nicht nur die gangbaren Wege, sondern auch die Irrwege bekanntgegeben würden und ich bin sicher, daß eine Sammlung von Fehlversuchen theoretischer und praktischer Richtung mehr Nutzen bringen würde, als manches in der Fachwelt mit Beifall aufgenommene Werk.“
Mit derselben Offenheit bekennt Kaplan auch das Versagen des von ihm konstruierten Extremschnelläufers (Abb. 22 der genannten Arbeit) und doch gab dieses Rad den Anstoß zum Verlassen des bisherigen Weges und zur allmählichen Entwicklung des Kaplan sehen Laufrades. 1 Daher hat dieses Rad historische Bedeutung erlangt, weshalb sein Bild auch hier angeführt sei. (Abb. 12.) In der schon erwähnten Arbeit in der Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen vom Jahre 1912 findet sich dieses Rad in Abb. 27 vor.
Damals waren die Versuche mit diesem Rad noch nicht abgeschlossen und doch berichtet Kaplan zu jener Zeit schon folgendes: „Soviel jedoch die bisherigen Ergebnisse erkennen lassen, scheint bei solchen hohen Drehzahlen die Flüssigkeitsreibung am Laufradboden einen derartig starken Verlust zu bedingen, daß trotz des geordneten Wasserdurchflusses durch das Laufrad eine wesentliche Wirkungsgradeinbuße zu erwarten ist.“
Weiters erfahren wir aus dem Vortrag Kaplans, daß die neue Turbine bereits zu Beginn des Jahres 1912 erfunden war und im November 1912 bei der Abbremsung im Brünner Laboratorium eine spezifische Drehzahl von 800 aufgewiesen hatte. Auch die wirtschaftlichen Vorteile der neuen Turbine sind hier bereits angeführt, und einen großen Raum nehmen die Ausführungen über die Patentstreitigkeiten ein. „Nicht weniger als zwei Jahre dauerte dieser aufregende und für mich leider auch sehr kostspielige Kampf, bis endlich am Ende des vorigen Jahres auch die Beschwerde des Syndikats kostenpflichtig abgewiesen und mir das Patent endgültig erteilt wurde.“ — So berichtet Kaplan im Jahre 1917. Aber die schwersten und langwierigsten Prozesse sollten erst kommen. Die verschiedenen Einsprüche erforderten :
1. die Erledigung theoretischer Fragen,
2. die Widerlegung der angeblich neuheitsschädlichen amerikanischen Bauweisen,
3. die Stellungnahme zu den geltend gemachten Vorbenutzungsrechten und
4. auch die Widerlegung der heute recht sonderbar klingenden Behauptung, daß sich mit der Erfindung der angegebene technische Fortschritt nicht erzielen ließe. (Vgl. S. 490 des genannten Vortrages vom Jahre 1917.)
Mit diesem Vortrag und mit den folgenden Veröffentlichungen, die in kurzen Zeitabständen erfolgten und durchgehends die wirtschaftlichen Vorteile seiner Turbine und die Mitteilung von Versuchsergebnissen zum Gegenstände hatten,
1 Dies geht aus einer privaten Aufzeichnung Kaplans hervor; dort heißt es: Abb. 22 (der genannten Arbeit) gibt den eigentlichen Anstoß zu der neuen Turbine, zur Kaplanturbine. (Archiv in Uaterach.)