Viktor Kaplan.
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Am 3. März 1917 berichtete Kaplan zum ersten Male in einem Vortrag im Österr. Ingenieur- und Architekten-Verein 1 über Versuchsergebnisse seiner neuen Turbine, ohne aber irgendein wesentliches konstruktives Merkmal dieser Turbine anzuführen. Aufsehen erregte aber damals das Diagramm (Abb. 36, S. 490 der genannten Arbeit), wonach der Wirkungsgrad einer in Verkstaden ausgeführten Kaplanturbine 80% bei halber und voller Beaufschlagung^ bei den Bremsungen betragen habe. Dieses Ergebnis mußte Staunen, weil aber keine konstruktiven Angaben erfolgten, auch Kopfschütteln bei den Zuhörern hervorrufen. Trotz des Mangels an konstruktiven Mitteilungen ist diese Veröffentlichung sehr interessant ; auch heute noch, wo das Wesen der Kaplanturbine bekannt und ihr Erfolg einwandfrei festgestellt ist; denn die Praxis hat alle in dieser Arbeit auf Grund seiner Versuche damals (1917) bekanntgegebenen Resultate, die zu jener Zeit als Utopien erschienen sein mögen, später vollinhaltlich bestätigt . In dem genannten Vortrag entwickelte Kaplan auch die Gründe, welche ihn veranlaßt hatten, von den Versuchen, durch eine bloße Verbesserung des Francislaufrades höhere spezifische Drehzahlen und gleichzeitig hohe Wirkungsgrade zu erzielen, abzulassen (vgl. S. 474 der genannten Arbeit). Wir erfahren aus dieser Arbeit auch, daß Kaplan eine ganz stattliche Zahl von Francislauf rädern für verschiedene Firmen des Auslandes entworfen hat, und mit offenem Freimut gesteht er neben bedeutenden Erfolgen auch Fehlschläge ein. So hat Kaplan für die Firma Briegleb,
Hansen & Co. in Gotha ein Laufrad entworfen, von welchem er eine spezifische Drehzahl n s = 260 und einen Wirkungsgrad von 80% zu erhalten hoffte. Tatsächlich ergab aber der Versuch ein n s = 220 und einen Wirkungsgrad r/ von nur 76%. Er bemerkt hierzu wörtlich (S.475): „Damals war mir allerdings die Ursache dieses Mißerfolges noch nicht klar, um so mehr als das Rad den zu jener Zeit geläufigen theoretischen Anschauungen vollkommen entsprach. Heute (1917) fällt es mir nicht schwer, an dem Rade die erforderliche Kritik zu üben und sei vorweg bemerkt, daß die Schaufeln viel zu lang und sowohl die Schaufelfläche als auch die Schaufelwinkel von mir noch nach der üblichen Stromfadentheorie und ohne Rücksicht auf die Abhängigkeit der Wassergeschwindigkeiten von der Wandferne der Schaufelfläche ermittelt wurden.“
Die folgenden Zeilen dieser Arbeit sind wegen der Auffassung Kaplans über die technisch-wissenschaftliche Forschung interessant und sie seien daher auch wörtlich angeführt. „Bei diesem Anlasse sei mir die kleine Einschaltung gestattet,
1 „Entwicklung und Versuchsergebnisse einer Wasserturbine“ (Ztschr. d. Österr.. Ing.- u. Arcli.-Ver. 1917, 8. 473 bis 497).
Abb. 12. .Extremer Schnelläufer", entworfen nach Kaplans Turbinentheorie.