Viktor Kaplan.
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Vertreter der Bestellerin, Ing. Anton Strasser als unparteiischer Bremsleiter, Ing. Robert Steiner der Firma Storek und Professor Dr. Kaplan erhalten geblieben. Daraus ist zu entnehmen, daß die Turbine bei voller Beaufschlagung eine Leistung von 25,8 PS bei einer Gefällshöhe von 2,33 m und einer Wassermenge von Q = 1000 Liter pro Sekunde und einer minütlichen Drehzahl n = 420 hatte. Der Wirkungsgrad betrug 84% und änderte sich auch nicht bei halber Beaufschlagung. Am 22. Juni 1919 fand die offizielle Bremsung der Turbine in Velm durch Professor Budau und Ziv.-Ing. Blümel mit dem gleichen Ergebnis statt. 1
Durch die Velmer Turbine war die Idee Kaplans zur Wirklichkeit geworden; was als Utopie bezeichnet worden war, nämlich, daß es eine Turbine geben solle, die mit hoher spezifischer Drehzahl von 800 einen Wirkungsgrad von 84% besitzt und deren Wirkungsgrad überdies bei halber und ganzer Beaufschlagung nahezu konstant bleibt, das alles war hier in Velm zur unumstößlichen Tatsache geworden. Daß dieser Umstand, sowie die Veröffentlichung der Bremsergebnisse der Velmer Turbine durch Professor Budau in der „Wasserwirtschaft“ 1919, Heft 14, ferner von Berthold Blümel in der Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1919, S. 428, desgleichen in Elektrotechnik und Maschinenbau 1920, S. 61, und die Veröffentlichungen von Professor Kaplan in der Zeitschr. f. d. ges. Turbinenwesen 1919, S- 346, und in der „Wasserwirtschaft“ 1919, Nr. 19, die Aufmerksamkeit der technischen Kreise auf die Kaplanturbine lenkten, ist wohl selbstverständlich. Über dieses Interesse der Fachwelt findet sich auch eine kurze Mitteilung in der Zeitschr. d. Österr. Ing.- u. Arch.-Ver., Jahrg. 1921, S. 103, vor, woselbst es wörtlich heißt: „Die Zeitschrift The Electrical Review, London 1920, S. 466, erblickt in der neuen Bauart die Möglichkeit der wirtschaftlichen Ausnutzung vieler niedriger und mittlerer Gefälle, die bisher unausgenutzt geblieben sind, mit Rücksicht auf die starken Schwankungen in der Wassermenge. Es wäre interessant, eine deutliche Aufstellung der bereits im Gebrauch befindlichen Kaplanturbinen zu sehen und zu erfahren, bis zu welcher Anzahl von Pferdestärken diese Maschinen gebaut werden können.“
Alles stand somit im Jahre 1919 für die Kaplanturbine günstig. Im Jahre 1920 trat aber bei verschiedenen derartigen Turbinenanlagen eine anfangs unerklärliche Erscheinung auf, welche die breite Öffentlichkeit erst im Jahre 1922 erfuhr, als bereits ihre Ursache erforscht war und behoben werden konnte, die aber bei ihrem ersten Auftreten den Ausbau der Kaplanturbine zu hemmen, wenn nicht gar zu vernichten drohte.
Ein Laufrad, das im Laboratorium am Prüfstande die erwarteten Wirkungsgrade ergeben hatte, versagte im Betriebe vollends. Statt der erwarteten 80% ergab sich ein Wirkungsgrad von nur 62% und noch darunter. Dabei zeigte sich die Strömung mit großen Luftausscheidungen verbunden, die mit explosionsartigem Geknatter vor sich gingen. Es ist dies die beim Schiffspropeller wohlbekannte, im Turbinenbau bisher unbekannt gewesene Erscheinung der Kavitation (Hohlraumbildung). Wird die Geschwindigkeit des strömenden Wassers zu groß, der Druck demzufolge zu klein, so treten Strahlablösungen an der konvexen Seite der Schaufel-
A. Budau: Mitteilungen über die Kaplanturbine. Die Wasserwirtschaft 1919-