Aufsatz 
Viktor Kaplan / von Alfred Lechner
Entstehung
Seite
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Viktor Kaplan.

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Wahl auf Rochuspoint fiel, war Kaplans Lieblingswunsch in Erfüllung gegangen. Ein Wasserl zur Betreibung einer Turbine soll auch dabei sein und ebenfalls eine Glasveranda waren seine Bedingungen gewesen, die auch erfüllt werden konnten.

Kaplan hatte mit seiner Familie, wie so viele Städter, während des Krieges unter Nahrungssorgen zu leiden gehabt. Durch diesen Landsitz, wo auch ein paar Kühe vorhanden waren, fühlte er und die Seinen den Segen der Erde.

Während des Winters 1920 weilte sein Vater auf Rochuspoint und verwaltete im Sinne des Sohnes dessen Anwesen. Viktor hatte es stets zur Freude gereicht, seinem Vater einen schönen Lebensabend bereiten zu können. Groß war sein

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Abb. 16. Grundriß der Anlage auf Rochuspoint.

Schmerz, als dieser am 12. März 1921, an einer Grippe erkrankt, für immer die Augen geschlossen hatte. Ein aufrechter Mann, der treueste Freund war mit ihm dahingegangen. Gar sehr hat Kaplan die Stütze, deren er in den kommenden Tagen der seelischen Depression bedurft hätte, vermißt.

Wenn man von Unterach nach See am Mondsee wandert, so gewahrt man un­gefähr auf der Hälfte dieses Weges zur rechten Hand auf einer Anhöhe den sonnigen Wohnsitz Rochuspoint. Auf diesen hatte sich Kaplan im August 1921, nachdem er noch im Juli die Kontrollbremsungen unter der Leitung Professor Dr. Heinrich Meixners 1 für den Konzern in Brünn hatte vornehmen lassen, zurückgezogen. Ein halbes Jahr Urlaub war ihm bewilligt worden.

Im Herbst 1921 ging er daran, eine kleine Wasserkraftanlage zu errichten, die ihm Licht und Arbeitsstrom liefern sollte. Die vorhandene Gefällshöhe beträgt ungefähr 40 m, ein Peltonrad der Firma Oser, das später durch eines der Firma

1 Vgl. Mitteilungen über die Bremsungen des Kaplan-Turbinen-Konzerns in Brünn. Die Wasserkraft, 1922. S. 73.