Aufsatz 
Viktor Kaplan / von Alfred Lechner
Entstehung
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Voith in St. Pölten ersetzt werden konnte, bildete die Kraftquelle. Schon im Sommer des Jahres 1921 zeigte sich bei Kaplan eine gewisse Unrast und Nervosität. Kein Wunder bei den Sorgen und der nervenaufreibenden Tätigkeit. Die Stimmung auf Rochuspoint war daher in jener Zeit manchmal recht gespannt. Geistige Über­anstrengung, die verschiedenen die Nerven äußerst anstrengenden Patentprozesse, hatten seine Gesundheit sehr geschwächt. Bezüglich dieser Patentprozesse sei noch erwähnt, daß Kaplan seine Patente nicht nur gegen Einsprüche von Firmen, sondern auch gegen Angriffe von Fachkollegen zu verteidigen hatte. Auf diese Prozesse soll hier nicht weiter eingegangen werden; es gilt hierfür die Äußerung von E. Mach, des bedeutenden Physikers, der einmal folgendes ausführt, 1 was auch trefflich zur Schilderung der obgenannten Prozesse paßt. ,,Ein mehrfaches Auf­treten derselben Idee ist in der Geschichte nicht neu. Die Diskussion von Per­sonalfragen, die nach 30 Jahren schon kein Interesse mehr haben werden, wollen wir hier vermeiden. Auf keinen Fall ist es aber zu loben, wenn Männer angeblich aus Gerechtigkeitsgründen insultiert werden (wie es tatsächlich leider ge­schehen ist), die schon hochgeehrt und ruhig leben würden, wenn sie nur ein Drittel ihrer wirklichen Leistungen aufzuweisen hätten.

Mit der Feststellung, daß diese Äußerungen vollinhaltlich im Falle Kaplans zutreffen, sei ein näheres Eingehen auf diese Prozesse, aus denen Kaplan als Sieger hervorgegangen ist, vermieden. Aber an ein Ausspannen in der Zeit seines Ur­laubes war nicht zu denken. Meinungsverschiedenheiten mit Firmen ließen ihn auch jetzt nicht zur Ruhe kommen. Hier auf Rochuspoint ist Kaplan wie schon erwähnt am 5. Februar 1922 sclrwer erkrankt. Die Ärzte waren sich über die Krankheit nie einig. Einige behaupteten, es sei eine Kopfgrippe gewesen, andere sprachen von einem Nervenzusammenbruch, nur einer gab seiner Meinung von einem Schlaganfall Ausdruck. In dieser Zeit war es seine Frau, welche ihn mit voller Hingabe pflegte und Tag und Nacht nicht von seinem Krankenlager wich. Jene, welche Kaplan unmittelbar nach seiner Krankheit besucht hatten, werden sich seines traurigen Zustandes wohl noch erinnern. Wo waren auf einmal all die Lebendigkeit, das Feuer seiner Augen hingekommen? Und aus verwundeter Seele erklang Anklage über Anklage gegen seine Widersacher. Was Kaplan früher für sich behalten, das entrang sich jetzt seinem kranken Gemüte. All die Unbill, Neid und Mißgunst, die jedem Schaffenden widerfahren und auch ihm nicht erspart geblieben sind, enthüllte er jetzt, wo er nicht mehr kämpfen konnte, in erschütternder Klage!

Und während hier in LTiterach ein Kämpfer in lähmender Krankheit lag, hielt Professor Budau am 7. Februar 1922 im Österr. Ingenieur- und Architekten-Verein in Wien einen ausgezeichneten Vortrag über ,,Die Entwicklung der Wasserturbinen in den letzten 15 Jahren, 2 wobei er den Verdiensten Kaplans volle Gerechtigkeit

1 Vgl. E. Mach: Die Mechanik in ihrer Entwicklung, 7. Aufl., 1912, S. 477.

2 Vgl. Die Wasserkraft, Zeitschr. f. d. ges. Wasserwirtschaft, 1922, Heft 11. Auch Professor Oesterlex wird in der ArbeitSchnellaufende Wasserturbinen den Erfindungen Kaplans vollkommen gerecht und stellt sich auch bezüglich des Streites KaplanNagler ganz entschieden auf Seite Kaplan^. Vgl. auch Arbeit Nr. 44 des Anhanges I.

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