Aufsatz 
Viktor Kaplan / von Alfred Lechner
Entstehung
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Viktor Kaplan.

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widerfahren ließ. Trefflich schildert Budau den Entwicklungsgedanken der Kaplan­turbine. Was aus diesem Vortrag durch den Druck bereits dauernd festgelegt ist, möge der Leser in der genannten Zeitschrift selbst nachlesen, was in dem Vor­trage zwar gesagt wurde aber nicht gedruckt vorliegt, sei hier angeführt. Budau bekannte nämlich ganz offen, daß er selbst an jene Turbine, über welche Kaplan im Jahre 1917 berichtet hatte, 1 nicht glauben konnte und die daselbst gemachte Mitteilung, daß jene Turbine bei voller und ganzer Beaufschlagung nahezu den gleichen Wirkungsgrad haben solle, wenn auch nicht für einen Bluff wie manche sich auszudrücken beliebten, so doch für einen Irrtum gehalten habe. Als er dann aber selbst Gelegenheit hatte, in Velin eine Kaplanturbine abzubremsen, wobei er alle Sorgfalt habe walten lassen, als er daselbst von Kaplan die Aufklärung erhalten habe, daß die Turbine verstellbare Laufradschaufeln besitze, da erklärte Budau selbst, er sei aus einem Saulus ein Paulus geworden.

Eine kleine Episode sei hier nachgetragen. Kaplan hatte in Velm am 22. Juni 1919 vor der Bremsung das Wesen seiner Turbine erläutert und dabei bemerkt, daß er getrachtet habe, die Laufradschaufeln verdrehbar anzuordnen. Er wurde hier von Budau mit der Bemerkung unterbrochen, daß dies doch nur ein Zukunfts­plan sein könne. Nach der Bremsung hat Kaplan dann die Mitteilung gemacht, daß tatsächlichem Laufradschaufeln drehbar ausgeführt seien. Budau ist daraufhin mit dem spontanen Ausspruch von seinem Sitz aufgesprungen:Wahrlich, der Mann hat Courage!

Dieser tatsächliche Vorfall in Velm beleuchtet wohl am besten die technische Seite des Patentstreites, der über die verdrehbaren Laufradschaufeln auf Grund einer Stelle im Buche von Fink 2 entbrannt ist.

Auch die Bremsungen an der Versuchsturbine System Storek-Kaplan in Podebrad in der Zeit vom 9. bis 29. November 1921 hatten nach dem Bericht von Professor Jaroslav Hybl günstige Ergebnisse gezeitigt. Die Nachricht vom Vor­trag Professor Budaus wirkte auf Kaplans Befinden wohltuend, dagegen die Hiobs­botschaften über die Mißerfolge einer in Görz eingebauten Turbine, sowie das Zögern des Konzerns, mit dem Bau der Turbinen zu beginnen, und die Einsetzung eines Schiedsgerichtes ungünstig ein.

Das Versagen der Görzer Turbine und manche andere Mißerfolge sprachen sich herum. Schon wurden wieder Stimmen laut, die meinten, diese Sache wäre doch nur ein Bluff. Ja, ein Turbinenfachmann verstieg sich sogar, als man von seiten Kaplans auf die Absicht der Firma Verkstaden in Kristinehamn hinwies, eine Turbine mit 5,8 m Laufraddurchmesser zu bauen, zu der Äußerung:Auf den Schaufelsalat bin ich begierig.

Damals verlor Kaplan beinahe selbst den Glauben an die Möglichkeit des durchschlagenden Erfolges seiner Turbine. In dieser Zeit, wo viele von ihm ab­gefallen waren, ja auch selbst Budau wieder Zweifel zu hegen begann, 3 waren es

1 Vgl. S. 37 dieser Biographie.

2 C. Fink: Theorie und Konstruktion der Brunnenanlagen, Kolben- und Zentri- fugalpumpen, der Turbinen, Ventilatoren und Exhaustoren. Berlin 1878. S. 225.

3 Vortrag in der Wiener Urania am 19. Mai 1922,Die Wasserkraft im Dienste der Menschheit.