Aufsatz 
Viktor Kaplan / von Alfred Lechner
Entstehung
Seite
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Viktor Kaplan.

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Aber alle Arrbeit wäre vergebens gewesen, wenn nicht die Brüder Storek in Brünn, Dr. Walter Voith in St. Pölten und die Firma Yerkstaden Kristinehamn, dort namentlich die Herren Molinder und Elov Englesson, ihre schützende Hand über Kaplan gehalten hätten. Verhehlen wir uns nicht die Tatsache: wenn es möglich gewesen wäre, die Kaplanturbine umzubringen, so wäre dieser Zeit­punkt, wo Kaplan so schwer erkrankt war, wo kostspielige Mißerfolge eingetreten waren, hierzu wohl am geeignetsten gewesen. Daß man sich bemühte, die sogenannten Kinderkrankheiten der Kaplanturbine zu beheben, ist ein unvergängliches Ver­dienst der genannten Persönlichkeiten, daß es gelang, dieselben zu beseitigen, ein Verdienst der tüchtigen Ingenieure dieser Betriebe.

Ing. Elov Englesson verdient noch aus einem anderen Grunde eine besondere Erwähnung. Ein Patent Kaplans bezieht sich auf die Verdrehbarkeit der Laufrad- schaufeln. Eine hervorragende Lösung dieser Laufschaufelregu- lierung, ohne welche der Bau großer Kaplanturbinen damals kaum möglich gewesen wäre, stammt nun von Elov Engles­son . 1 Es kann daher mit Genug­

tuung begrüßt werden, daß Elov Englesson von der schwedi­schen Akademie der Ingenieur­wissenschaftenwegen seiner Ver- Abb. 18. dienste um die Entwicklung

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Kaplan-Laufrad mit verdrehbaren Schaufeln (Siebenbrunn).

der Kaplanturbine, welche für

Schweden ganz besondere Bedeutung besitzt, die goldene Medaille verliehen wurde.

Die Firma Storek untersuchte in einem eigenen Kavitationslaboratorium die Ursachen der störenden Kavitation, ebenso die Konzernfirmen und auch Yerkstaden. Kaplan selbst arbeitete, sobald es sein Gesundheitszustand zuließ, an der Auf­klärung und Bekämpfung der schädlichen Kavitationserscheinung. 2

Aus dem im Jahre 1924, S. 273 der Zeitschrift des Österr. Ingenieur- und Architekten-Vereins erschienenen Artikel von G. Gustenau:Das neue Wasser­kraftwerk Siebenbrunn entnimmt man, daß bereits im August 1923 zwei Kaplan­turbinen der Firma J. M. Voith, St. Pölten-Heidenheim, in Siebenbrunn am Traunfall bei Gmunden aufgestellt worden sind (Abb. 17, 18). Es sind dies die ersten 1000-PS-Kaplanturbinen der genannten Firma. Bei 6 m Fallhöhe, einer sekundlichen Wassermenge von 16,5 m 3 , einer Drehzahl von 250 in der Minute lieferte eine Turbine 1000 Pferdekräfte. Eine Francisturbine hätte bei denselben

1 Vgl. Herbert Storek: Zehn Jahre Kaplanturbine. Elektr. Arbeit, 1929, S. 94.

2 Kaplan: Kavitationserscheinungen bei Turbinen mit großer Umlaufsgescliwindig-

keit. Wasserkraftjabrbucb 1924, S. 421.