Viktor Kaplan.
57
gewahrte mit Freuden die sichtbaren Anzeichen des durchschlagenden Erfolges seines Lebenswerkes. Die Gewißheit, etwas Hervorragendes geleistet zu haben, trug viel zur Besserung seines Gesundheitszustandes bei. Kaplans Schaffenslust begann sich wieder zu regen. Eine Anzahl Patente wurde angemeldet, 1 er arbeitete mit seinen Assistenten wieder im Laboratorium. Im Wasserkraft] ahrbuch 1924 erschien von ihm eine Arbeit über „Kavitationserscheinungen bei Turbinen mit großer Umlaufsgeschwindigkeit“ und im Jahre 1925/26 daselbst eine besonders lesenswerte Veröffentlichung: „Wie die Kaplanturbine entstand“. Nachrichten, wie die von der bevorstehenden Eröffnung des schwedischen Großkraftwerkes Lilla Edet wirkten günstig auf Kaplans Gesundheitszustand ein; die Genesung schritt sichtbar vorwärts, obwohl ihm Ruhe noch lange nicht beschieden sein sollte. Im Jahre 1925 verwarf das Reichsgericht in Leipzig die gegen das KAPLANSche Hauptpatent ein- gebrachte Nichtigkeitsklage. Damals unterstützten alle Firmen, welche Kaplanturbinen ausführten, den Erfinder im Prozeß gegen seine sachlichen Gegner.
Im März 1926 wurde auch ein Angriff auf die Ehre Kaplans durch richterlichen Spruch abgewiesen, die Zeit der Kränkungen und Aufregungen ging zu Ende. In der wissenschaftlichen Welt hatten unparteiische Gutachter bei den verschiedenen Prozessen ihre Äußerungen zugunsten Kaplans abgegeben. Es seien die Namen Prof. Dr. D. Thoma und Prof. Dr. Zerkowttz von der Technischen Hochschule in München und Prof. Dr. F. Jung von der Technischen Hochschule in Wien besonders hervorgehoben.
Im Mai 1926 wurde Kaplan auf Grund seiner Verdienste, die nun allseitige Anerkennung fanden, zum Ehrendoktor der Deutschen Technischen Hochschule in Prag promoviert und im November desselben Jahres wurde seines 50. Geburtstages in vielen Zeitschriften ehrend gedacht.
Kaplan empfand im Jahre 1927 die Nachricht, daß nun auch in Amerika von der Firma S. Morgan Smith Co. Turbinen gebaut werden sollten, die seinen Namen tragen würden, als eine besondere Genugtuung. Die Wiener Technische Hochschule hatte im Besetzungsvorschlage für die nach dem Hinscheiden Professor Budaus verwaiste Lehrkanzel für Wasserkraftmaschinen Kaplan an erster Stelle genannt. Leider konnte Kaplan mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand dieser Berufung nicht Folge leisten. —
Im Wasserkraft]ahrbuch 1927/28, S. 415 ist sein Bericht über „Die Entwicklung des Kaplanlaufrades“ erschienen. In der Zeitschrift „Elektrische Arbeit“ veröffentlichte Kaplan 1929 einen Artikel „Die künftige Entwicklung des Wasserturbinenbaues“. Er sieht in dem verständnisvollen Zusammenarbeiten von Theorie und Versuchsanstalten den weiteren Fortschritt des Turbinenbaues gelegen. Zwei kleinere Artikel in der „Technik für Alle“, „Männer des Wortes und der Tat“ (1928), sowie „Die technische Macht“ (1929) zeugen von der hohen Auffassung, die Kaplan von der Technik hatte. Diese erscheint ihm nicht als eine satanische Macht, wie Spengler u. a. sie ansehen. Alles Unheil, das angeblich von dem technischen Fortschritt ausgehe, ist nach Kaplan nur dem Umstande zuzuschreiben, daß die Technik in der Hand von Machtgierigen gelegen sei.
1 Vgl. S. 70 dieser Biographie.